Kultur : Klassik: Tod und Untergang

Eckart Schwinger

Bei Hans Werner Henzes Opern und Sinfonien stößt man nicht nur auf einen menschlichen Ton, sondern auch auf einen politischen und philosophischen Hintergrund. In seiner Kleist-Oper "Der Prinz von Homburg", die jetzt zu seinem 75. Geburtstag in der Bismarckstraße wieder auf die Bühne gelangt, wie in seiner bislang letzten Sinfonie mit der seit Beethoven so magischen Zahl Numero 9 kommen bedrängende Gedankenbilder von Angst, Terror und Tod zum Tragen. Im Schlußsatz dieser Sinfonia für Chor und Orchester auf eine Dichtung von Hans-Ulrich Treichel nach "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers greift allerdings ein Suchen nach Hoffnung um sich.

Henzes "Neunte" von 1997 hinterließ bei der Aufführung des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin unter Leitung des hoch befähigten jungen schwedischen Dirigenten und Komponisten Rolf Gupta im Konzerthaus eine nachhaltige Wirkung. Gupta und der in optimaler Form hervortretende Rundfunkchor Berlin und das RSB trafen haarscharf Henzes Ton des Mitleids und Protests. Rolf Gupta verband dabei mit emotionaler Intensität und gewaltloser Klarheit die grausamen "Kreuzwegstationen" der sieben KZ-Flüchtlinge, von denen nur einer den Leidensweg übersteht. Eine geradezu requiemhafte Aura breitet sich in diesen sieben Sätzen aus. Neben den erschreckend eruptiven Bildern haben es jedoch die leisen Momente besonders in sich. Stilelemente von Bach, Berg oder Mahler sind genialisch in das Ganze integriert. Hans Werner Henze komponiert eben auch hierbei nicht nur den Absturz in tiefste Tiefen, sondern auch den subtilen seelischen Schmerz, den unauslöschlichen menschlichen Hoffnungsschimmer. Das Publikum hatte die Botschaft vernommen.

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