Kultur : KLASSIK

PETER SÜHRING

Das populäre, manchmal ziemlich ignorante Musikgedächtnis kennt ihn nur als quälenden Klavierpädagogen, als hätte er wirklich nur ein paar Dutzend konzertuntauglicher Etüden hinterlassen.Daß Muzio Clementi selbst Mozart, der ihn ablehnte, mit seinen Einfällen anregte, daß Beethoven, der ihn schätzte, erfolgreiche Werke à la Clementi komponierte - um das plausibel zu machen, bedarf es schon einiger Demonstrationskünste.Ein Grund mehr, genau hinzuhören, als Andreas Staier den ersten Teil seines sonntäglichen Matinéekonzerts im Musikinstrumentenmuseum Kompositionen von Clementi widmete.Pendelnd zwischen Werktreue, die er anstrebte und Manierismen, die er sich erlaubte, spielte Staier hochsensibel auf einem etwas zu jungen Hammerflügel.In Staiers Interpretation klang Clementi zwar der handwerklichen Seite sorgfältig zugetan, aber auch äußerst charaktervoll.Nicht nur, daß er in seinem Zyklus "Musical Characteristics" das Komponieren à la...glänzend beherrschte, sondern seine, im eigenen Stil geschriebenen Sonaten (wir hörten die in f-moll aus op.13 von 1785) zeigten tollkühne Harmonik, obendrein in vertrackte elegische, trotzige und skurrile Figuren und Linien kontrapunktisch aufgelöst.Clementi erschien hier als Melancholiker, der mit entschiedenem Gestus die Tändeleien des galanten Zeitalters hinter sich ließ.Staier spielte auch noch einen Schubert, aber das wäre ein anderes Kapitel...

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