Klassische Musik : Halbe Treppe

Ein Mezzoforte-"Messiah", warum nicht. Achim Zimmermann dirigiert im Konzerthaus einen federleichten Händel.

Christiane Peitz

Das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach und die Berliner Singakademie (der Chor aus dem Ostteil der Stadt, im Unterschied zur West-Singakademie) folgen Zimmermann mit tänzerischem Elan. Eine Aufforderung zur Behutsamkeit: nicht die schlechteste Botschaft zu Weihnachten 2009. Zumal die halbe Lautstärke – die Händel in die Nähe von Mozart rückt und alles opernhaft Pompöse verweigert – die Vorfreude auf das Halleluja steigert. Auf jenen Augenblick im Messias-Oratorium, in dem der Jubel über den Erlöser sich Bahn bricht, samt Pauke und Trompetern, die kurz zuvor auf die Bühne geeilt sind. Ein auskomponiertes Glanzlicht, eine der populärsten, immer noch schönsten Forte-Passagen der Kirchenmusik.

Aber Zimmermann meint es gar nicht so. Er lässt den bestens disponierten, mal filigran akzentuierenden, mal warmherzigen, volltönenden Chor selbst hier Zurückhaltung üben. Ein Halleluja auf halber Treppe, nach dem Motto: Das pfeifen die Spatzen eh von den Dächern, damit machen wir uns nicht gemein. Interessanter Versuch. Aber er schlägt fehl, ersetzt er das Altbekannte doch durch Blässe.

„Messiah“ mit Pause, das sind fast drei Stunden Konzert. Zimmermanns unermüdliche Aufhebung der Schwerkraft hat – neben fein ziselierten, aus der Zeit gefallenen Momenten – zunehmend irdische Längen zur Folge, Spannungs- und Kraftlosigkeiten. Der immergleich timbrierte Alt von Annette Markert, der auf Textverständlichkeit deklamierende Tenor von Albrecht Sack (der für Simeon Esper eingesprungen ist) und Henryk Böhms etwas steif gewandeter Bass fügen sich ins Kontinuum ein. Die Entdeckungen des Abends: Der blutjunge Sopran von Anna Palimina, die jeden Ton, jeden Triller mit denkbar liebevoller Sorgfalt modelliert. Und die schlanke, makellos brillierende Trompete der „Trumpet“-Arie. Ein Fest für die Schönheit. 

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