Kultur : Klauen macht reich

HIPHOP

Bastian Asdonk

Eine schwierige Marktsituation erfordert zuweilen drastische Maßnahmen: Als sich seine damalige Plattenfirma Columbia weigerte, sein Debütalbum „Power of A Dollar“ zu veröffentlichen, nahm 50 Cent kurzerhand den Song „How To Rob“ auf. Darin beschreibt er, wie einfach es wäre, die erfolgreichsten Rapper Amerikas zu beklauen. Ein Jahr später überlebt 50 Cent einen Mordanschlag, neun Kugeln treffen ihn. Seitdem leidet er an einer extrem undeutlichen Aussprache, die für seinen heutigen Rapstil verantwortlich ist. Als das Album 2002 dann endlich bei Shady Records erscheint, wird es zum meistverkauften Rapdebüt aller Zeiten.

Überwältigend bei 50 Cents Auftritt in der Berliner Arena ist schon das Bühnenbild, das die New Yorker Skyline zeigt. Jeder Song wird mit einem Pistolenschuss begonnen und beendet, in einem der zahlreichen Einspielfilme wird der Überfall auf 50 Cent noch einmal nachgespielt. Anders als Eminem nutzt 50 Cent die exzessive Beschreibung von Gewalt nicht, um irgendetwas zu erklären. Wie in einem Actionfilm geht es um Gewalt selbst, die unterhält und letztlich das Produkt erfolgreich macht. So hat man am Ende vollends das Gefühl auf einer Hip Hop-Butterfahrt zu sein: 50 Cent entlässt das Publikum nicht, ohne auf seine neuen Turnschuhe, die er für Reebok designt hat, hinzuweisen. Es hätte nicht einmal des rot- weiß-blauen Konfettis bedurft, um zu zeigen, dass 50 Cent momentan der amerikanischste aller Rapper ist.

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