Kultur : Klaus Kinski: Angefeilte Seele

Klaus Kinski

Herr Jesus, warum mordest Du so feige/ Die Raben von van Gogh sind lange leer/ man trinkt sie aus und wollte immer mehr/ denn Deine Fantasie geht längst zur Neige.

Ihr habt den Blick in Ecken eingeteilt/ die Erde ist durchbohrt an Eidesstatt/ denn alle sind vom Worte reden satt/ich hab schon meine Seele angefeilt.

Die Kinder haben ihren Leib für morgen eingetauscht/ und wem der Kopf schmerzt paßt sich schnell der Farbe an/ und jeder Mensch erstickt die Kinder wie er kann/ zum letzten Fasching wird noch alles aufgebauscht.

Der Schreck sitzt in der Blumenkränze Augen/ und die Bewegung wird zum faulen Stock/ und durch die Fenster läuft ein grauer Bock/ und niemand will für einen Freitod taugen.

Die Blumenerde lächelt aus den Gittern/und jeder steht auf Brot und sieht es nicht/ und Paralyse ändert das Gewicht/ wer Fieber kauft, der braucht nicht mehr zu zittern.

Die Wolken haben sich am Dasein festgebissen/ die Vögel haben keine Drüsen mehr/ die Pubertät lutscht ihren Beutel leer/ die Abflußrohre sind gerissen.

Die Schwärme sind für diese Tagung träge/ und der Bazillus steht und handelt kaum/ vor meinem Fenster steht und handelt kaum/ vor meinem Fenster steht ein müder Baum/ ach, wenn ich erst auf spitzen Farben läge.

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