Kultur : Klein, aber fein

Kunst für Einsteiger: Grafiken und Editionen auf der Messe

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Editionen und Grafiken sind im Kunstbetrieb Nebenschauplätze. Gerade der Druckgrafik mit ihren intimen Bildwelten haftet der Makel des Spröden und wenig Spektakulären an. Die Subtilität fein radierter Striche erfordert ein konzentriertes Sehen. Dass die kleine Form Kunstwerke hervorbringen kann, deren Qualität einem Original nicht nachsteht, zeigt der Bereich der Editionen auf dem Art Forum – obwohl die Messeteilnahme in diesem Segment von zehn auf sechs Galerien schrumpfte. Dabei eröffnen künstlerische Editionen mit günstigen Angeboten vielen Sammlern die Einstiegstür zu einer Leidenschaft mit Folgen. Zwar fehlt den Multiples und Grafiken die Aura des Originalen, doch Neueinsteiger oder Kunstliebhaber mit schmalem Budget finden große n zu erschwinglichen Preisen.

Der Stand von Niels Borch Jensen präsentiert gleich mehrere Künstler mit Fotogravuren – einer Weiterentwicklung der Aquatinta, die gegenüber der Fotografie eine sehr eigene Ausdrucksform besitzt. Mit dem 1952 geborenen Dänen und gelernten Lithografen, der seit 1999 eine Berliner Dependance führt, ist einer der avanciertesten Kunstdrucker Europas auf der Messe vertreten. Per Kirkeby, von dem Borch Jensen 2000 auf dem Art Forum ein Großformat verkaufen konnte, zählt ebenso zum Künstlerstamm wie Georg Baselitz oder die Jungstars Tacita Dean und Olafur Eliasson. Bereits für 650 Euro gibt es Eliassons Island-Bilder aus „The Cartographic Series“, ein Set mit sieben Fotogravuren von Tacita Dean kostet 5000 Euro, und selbst eine Monotypie von Georg Baselitz, der in der Capital-Rangliste der 100 teuersten Künstler Platz acht einnimmt, soll einen Monatslohn nicht übersteigen.

Hundeliebhaber kommen bei Lococo Mulder Fine Art Publishers auf ihre Kosten, die David Hockneys Radierungen mit Vierbeinern für 7000 Euro (Auflage 80 Exemplare) anbieten. Ansonsten überwiegt die Fotografie. Thomas Florschuetz’ „Blumenstücke“, die als Cibachrome 8000 Euro kosten, gibt es als Irisprint schon für 1250 Euro. Von rückhaltloser Farbgewalt sind die Blumen von Marie-Jo Lafontaine bei Bernhard Knaus. In der Serie „Lost Paradise“ (je 1480 Euro) steigert die belgische Künstlerin die Blütenpracht zum eindringlichen Memento mori.

Während Asperger Gallery in der Abteilung für Editionen Grafik und Malerei durchmischt, findet man Barbara Wien im Bereich der Galerien. Dabei macht sich Wien seit 1988 um Auflagenobjekte und Künstlerbücher auf hohem Niveau verdient. Zwei seltene Buchobjekte des Kanadiers Michael Snow kosten als Vorzugsausgabe 2800 und 3500 Euro, daneben locken ein 1969 aufgelegtes Multiple von Dieter Roth und dessen zwanzigbändiges Buchobjekt „Gesammelte Werke“ inklusive einer bearbeiteten Fotografie (6000 Euro). Michaela Nolte

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