Kultur : Klein, kleiner, Piccolo

KLASSIK

Sybill Mahlke

Verhalten, zart und still wird der Ton der Blockflöte genannt, Grelles ist ihr fremd. Das gilt auch, wenn ihre Miniform, die Piccoloflöte, erklingt, die noch ein gutes Stück höher hinaus will und dementsprechend kleiner ist als die gewöhnliche Sopranflöte.

Auf einem solchen Winzling sinngebend zu spielen, ist alles andere als eine Zirkusnummer, denn Antonio Vivaldi hat dem Instrument schöne Musik für zierliche Finger geschrieben. Giovanni Antonini beherrscht sie nicht nur als Artist, der das Publikum in Staunen versetzt, sondern auch als Interpret. Sensible Solostreicher stützen den Part des Zauberflötisten in einem Konzert C-Dur. Vivaldi verlangt ihm verblüffende Virtuosität ab, die vom Streichinstrument inspiriert ist, aber auch ein liebliches Largo. Der Solist gönnt sich zum Schluss des Satzes einen fein ausmusizierten Vorhalt – so etwas hat die Philhar monie kaum je erlebt: Gestaltung auf der Piccolo-Blockflöte.

Antonini debütiert bei den Berliner Phil harmonikern , das heißt bei einer kammermusikalischen Abordnung , die der Epoche von Vivaldi bis Haydn mit besonderer Neigung begegnet. Als Dirigent dominiert der Mailänder mit einer scharf artikulierenden Leichtigkeit, die er von der Leitung seines „Giardino Armonico“ mitbringt. Der empfindsame langsame Satz einer Streichersinfonie von Carl Philipp Emanuel Bach, ein gluckisch orientiertes Stück, „La casa del diavolo“, von Luigi Boccherini werden in ihren musikalischen Charakteren ausgemalt. Konzertmeister Guy Braunstein und der Oboist Albrecht Mayer wetteifern stilkundig in einem anspruchsvollen Konzert für zwei Flöten, drei Oboen, Fagott, Violine, Streicher und Basso continuo, das Vivaldi für die Kurfürstlich Sächsische Hofkapelle geschrieben hat.

Die dirigentische Gebärdensprache Antoninis ist apart: tänzerisch und zugleich im Sinn der Partituren und ihrer Stimmführungen pantomimisch – eine Art von Körpergesang.

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