Kultur : Klein und wild

Satellit 1: Die Berliner Liste glänzt mit Malerei

Ulrich Clewing

Wie gut neue Hallen einer Kunstmesse tun, hat das Art Forum vor drei Jahren eindrucksvoll vorgemacht. Nun zieht die kleine, wilde Schwester Berliner Liste nach – und sieht in der zuvor vom VitraDesign-Museum genutzten Turbinenhalle des ehemaligen Umspannwerks in Prenzlauer Berg gleich viel erwachsener aus, obwohl die Räume immer noch reichlich rauen Charme versprühen.

Beim ersten Rundgang durch die Kojen der 42 Galerien aus zehn Ländern zeigt sich, dass auch hier – ähnlich wie beim Art Forum und der Konkurrenzveranstaltung Preview Berlin – Malerei und Fotografie überwiegen. Als hätten sie’s geahnt, haben die Organisatoren einen Bereich extra für Videoarbeiten von UdK-Studenten reserviert und so eine allzu deutliche Schlagseite vermieden.

Bei einer ganz jungen Messe wie der Berliner Liste gibt es zwangsläufig erhebliche Qualitätsschwankungen. Dennoch drängt sich der Eindruck auf, dass das Niveau insgesamt spürbar gestiegen ist. Was übrigens auch für die Preise gilt: Wer etwa g-brechts verrücktes leeres Flugzeugcockpit mit Ausblick auf einen Meteoritenhagel nach Hause nehmen möchte, muss für das Gemälde beim Artspace Witzenhausen aus Amsterdam knackige 14 500 Euro anlegen. Nebenbei ein schönes Beispiel, wie selbstverständlich Comics inzwischen zum Fundus der aktuellen Kunst gehören.

Dagegen wirken die jungen Frauen, die Hendrik Kerstens (ebenfalls bei Witzenhausen) fotografiert, als hätte Jan van Eyck sie gemalt. Nebenan leuchtet Ulla Shemeikkas Fotografie „By night Jurmor 1“ romantisch und magisch blau (1/3, 3800 Euro), während Wolfram Völcker mit Vintage-Prints von Karl Heinz Kremer überrascht, der in einer Serie von Fotos den Bau des Berliner Fernsehturms Schritt für Schritt dokumentierte (Preis auf Anfrage). Ähnliche Reminiszenzen finden sich beim 1978 geborenen Stelzmann-Schüler Andreas Leißner: Seine Gemälde stehen in der Altmeister-Tradition der DDR-Malerei, präsentierten dabei aber sehr zeitgenössische Physiognomien (Galerie T 40, 2200 bis 3700 Euro). Sie beweisen, dass sich die Zeit der Ideologien im großen Nebeneinander der Stile auflöst.

Kopenhagener Straße 58, bis 4. 10., täglich 13–21 Uhr. Informationen unter www.berliner-liste.org.

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