Kultur : Kleine Haie

Die erfolgreichen Newcomer der „Liste“

Max Glauner

Der Leiter der Basler Liste, Peter Bläuer, ist von Natur aus ein heiterer Mensch. Doch nach der Eröffnung der 16. Ausgabe dieser young art fair strahlt er über beide Ohren: „Wir sind von Sammlern regelrecht gestürmt worden. Einige Teilnehmer haben fast alles verkauft." Die 2008 gegründete Berliner Galerie Exile zum Beispiel. Die Künsterinnengruppe FORT mit Anna Jandt, Jenny Kropp und Alberta Niemann verwandelte den Raum in ein geheimnisvolles Kabinett: Herrenschuhspitzen ragten hinter einem Vorhang hervor, Billard-Queues lehnten an der Wand und eine grün ausgeschlagene Vitrine rief zum Spiel mit glatt polierten Kohle-Eiern. Für die Galeristen war der Verkauf eine Überraschung. Sie sind zum ersten Mal auf der Messe, konnten am ersten Tag ein Geschäft im fünfstelligen Bereich verbuchen und vor allem Aufmerksamkeit.

Doch nicht nur bei Exile herrscht hohes Niveau. Dabei bewegen sich die Angebote zwischen 1000 und 8000 Euro, selten bis 25000, wo man auf der Art Basel häufig erst beginnt. So ist eine Arbeit des Schweden Andreas Eriksson, der aktuell im Nordischen Pavillon der Biennale in Venedig ausstellt, bei der Berliner Galerie Sommer & Kohl schon für 15 000 Euro zu haben. Und das Angebot ist groß: Über 300 Galerien hatten sich diesmal beworben. 64 sind ausgewählt worden, acht aus den USA und Großbritannien, elf aus Deutschland, davon neun aus Berlin. Aber auch Italien, Holland und Rumänien, China, Neuseeland, Norwegen, Polen und Spanien sind unter anderen vertreten. Erstaunlich ist auch die Spannweite der angebotenen Kunstformen und Medien. Sie reicht von konzeptuell-malerischen Positionen bei Hopkinson Cundy aus Auckland, die in einer Solo-Show den Neuseeländer Nick Austin vorstellt, über performative Arbeiten von Özlem Altin (Circus / Berlin) bis zu großen Installationen bei der Galerie RaebervonStenglin aus Zürich mit schwergewichtigen Arbeiten der Schwedin Sofia Hultén, Karsten Födinger und Kilian Rüthemann.

Zufrieden zeigte sich auch Johanna Chromik von der Berliner Galerie KOW. Auch bei ihr lief es bisher gut, auch sie ist erstmals dabei: mit einem Video von Mario Pfeifer (5800 €), Tobias Zielonys verstörend direkten Fotoreportagen von jugendlichen Randgruppen für 4500-6000 Euro pro Foto und einer Installation von Tina Schulz – darunter eine Skulptur aus Stahlrahmen (6800 €). Dabei ist KOW ungünstig im Eingangsbereich platziert und zeigt Schulz’ Arbeit im Keller eine Wendeltreppe tiefer. Aber die Messesituation spiegelt zufällig auch die Architektur ihres Showrooms in Berlin, und so gute Kundschaft sieht man dort nicht ganz so oft. So strahlt auch Johanna Chromik über beide Ohren. Max Glauner

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