Kultur : Kleine Pforten aus Beton

In ihrem Projektraum Fröauf kombiniert Susanne Wehr Skulptur mit Fotografie.

Matthias Reichelt

Der Kunstraum Fröauf hat sich profan nach seiner Straße benannt. Kachelreste und der geflieste Boden erinnern noch an die ehemalige Metzgerei in diesen Räumen, bevor die Künstlerin und Ausstellungsmacherin Susanne Wehr sie vor längerem zum Atelier umfunktionierte. Nun betreibt sie dort ihren Ausstellungsraum für Skulptur und Fotografie und kombiniert auf sehr sinnfällige Weise beide Medien miteinander.

Um Stahl und Beton, Konstruktion und Dekonstruktion kreist die gegenwärtige Ausstellung mit Fotografien von André Baschlakow und kleinen Plastiken von Ute Hoffritz. Baschlakow fotografierte in Elstal wie in Marzahn Reste industrieller Architektur, alte Fabriken, ausgeweidete Werkhallen, die bis auf Dach und tragende Stahlkonstruktionen zerstörten, verfallenen oder demontierten Produktionsstätten, in zentralperspektivischen Bildern. Die Pigmentdrucke (je 2100 Euro) entfalten eine ambivalente Wirkung und leisten einerseits Trauerarbeit, heben andererseits aber auch die skulpturalen Qualitäten der Architektur hervor.

Die Bildhauerin Ute Hoffritz nutzt unter anderem Beton für ihre Plastiken, die architektonische Grundformen en miniature darstellen. Hermetisch, kompakt und erst einmal abweisend wie Festungen und Schutzräume, wirken sie mit ihrer grauglatten Oberfläche. Wären da nicht die Öffnungen, die den forschenden Blick provozieren. In der Plastik „Introversion“ von 2011 (2100 Euro) lockt ein geheimnisvoller Sehschlitz, der an Atlantikbunker oder Panzer erinnert, und im Fall des nahezu quadratischen Kubus „Chronos“ (2700 Euro) ist es sowohl eine kleine Pforte wie auch der sich von oben eröffnende Innenhof, der Assoziationen an indianischen Bauwerken weckt.

Beide Plastiken bergen im Inneren Hohlräume, deren Geheimnissen der Besucher von allen Seiten auf die Spur zu kommen versucht. Raumwirkung und Lichteinfall sind bei Hoffritz’ archaisch wirkenden Betonskulpturen wesentliches Element. Beides verbindet für Susanne Wehr die Fotografie mit der Skulptur, weshalb sie das Konzept ihres erst im vergangenen Jahr eröffneten Kunstraums darauf zugeschnitten hat. Allerdings begreift sie die Fotografie auch in ihrer erweiterten Form von Film und Video und stellte jüngst die Fotos des Filmemachers Andreas Fischer aus – begleitet von einigen seiner frühen Filme in einer Abendveranstaltung. Matthias Reichelt

Kunstraum Fröauf, Fröaufstr. 7; bis 13.4., Do–So 16–19 Uhr

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