Kultur : Kleine Wunderkammern

Noch bis Sonntag zeigen Antiquitätenhändler ihre Schätze auf der Ars Nobilis

Oliver Heilwagen

Zufriedene Mienen auf der Ars Nobilis: In ihrem dritten Jahr hat sich die Berliner Fachmesse für alte Kunst und Antiquitäten etabliert. Seit dem Debüt im Jahr 2000 haben sich Medien- und Publikumsinteresse kontinuierlich gesteigert. Kamen 2001 rund 22 000 Kunstfreunde ins Untergeschoss des Lindencorsos, so werde in diesem Jahr das Ergebnis der am Sonntag endenden Verkaufsausstellung noch einmal deutlich übertroffen, versichert Mitveranstalter Udo Arndt: Allein am Erö¦ffnungswochenende habe man rund 12 000 Besucher gezählt – für eine vergleichsweise kleine Messe mit nur 16 Ausstellern ein hervorragendes Resultat.

Dies dürfte neben dem prominenten Standort im Automobilforum Unter den Linden, vor allem an dem breitgefächerten Angebot der Teilnehmer liegen. Denn zwischen den Kojen tummeln sich nicht nur Schaulustige und Flaneure, sondern auch kaufkräftige Kunstliebhaber. „Gegen den Branchentrend haben wir in diesem Jahr mehr verkauft als in den Vorjahren“, hebt Arndt hervor, der gemeinsam mit seinen Berliner Händlerkollegen Jürgen Czubaszek, Ernst von Loesch und Volker Westphal die Messe organisiert hat. Arndt, der auf antike Öfen spezialisiert ist, konnte selbst drei Exemplare mit gusseisernem Sockel und grafitgeschwärztem Tonaufsatz absetzen.

Poseidon und Pelops

Naturalien, Kunstkammerobjekte und Kuriosa führt Georg Laue aus München unter dem Motto „Wunder kann man sammeln“. Er ist ebenfalls mit der Resonanz äußerst zufrieden, lobt das sehr interessierte Publikum und konnte an seinem Messestand viele Museumsleute begrüßen. Einer von ihnen schlug gleich zu: Für das im Aufbau befindliche Deutsche Schwulenmuseum, das Anfang Dezember in Berlin seine Pforten ö¦ffnen soll, erwarb Direktor Andreas Sternweiler ein franko-flämisches Elfenbeinrelief um 1620, das den Meeresgott Poseidon samt seinem Gespielen Pelops darstellt. Das Kleinod war mit einem fünfstelligen Betrag ausgepreist. Dagegen ist die 40 Zentimeter messende Figur eines seifenblasenden Puttos aus Holz, der auf einem Totenkopf steht, aus Süddeutschland Anfang des 17. Jahrhunderts für 12 000 Euro noch erhältlich.

Guten Umsatz verzeichnete auch Martin Moeller aus Hamburg, der vor allem Grafiken von Berliner Malern mitbrachte. Eine Zeichnung Adolph von Menzels zum Listenpreis von 38 000 Euro, die 1891 entstand und einen Bärtigen im Profil aus Untersicht zeigte, fand ebenso einen Käufer wie zwei großformatige Zille-Aquarelle; darunter eines mit dem skurrilen Titel „Du loofst wie’n Siebenmonatskind“, für das der Händler 32 000 Euro veranschlagt hatte. Insgesamt sechs Blätter konnte er absetzen. „Da ich mit geringen Erwartungen angereist war, freue ich mich um so mehr“, erzählt Moeller.

„Nicht berauschend, aber auch nicht schlecht“, lautet die Bilanz, die Thomas Schmitz-Avila aus Bad Breisig zieht. Der Spezialist für deutsche Möbel des 18. und frühen 19. Jahrhunderts fand einen Liebhaber für eine um 1750 entstandene Potsdamer Kommode aus Nussbaum mit Rautenmarketerie. Auch ein museales Dresdener Rokokoschränkchen fand seinen Liebhaber. Ein prominenter Berliner Sammler ließ sich zudem einen Satz von sechs Rokoko-Stühlen reservieren. Großen Anklang fand auch eine süddeutsche Rokoko-Kleiderpuppe aus geschnitztem und bemalten Holz, die früher als Modell für Kinderkleider diente und 4400 Euro bringen sollte. „Davon wäre ich spielend mehrere Exemplare losgeworden“, bedauert der Händler lächelnd. Indes blieb ein prachtvoller Potsdamer Schreibschrank aus derselben Epoche, der früher im Besitz von Heinrich XXVIII. von Reuss war und seinen Platz im Schloss Oberstein bei Gera hatte, für 175 000 Euro bislang unverkauft.

Das ist symptomatisch für das höherpreisige Segment. Die Händler, die auf diesen Bereich ausgerichtet sind, halten sich dann auch mit Verkaufsmeldungen diskret zurück. Etwa die international renommierte Galerie Neuse aus Bremen, die 35 erstklassige Gemälde deutscher Künstler ausstellt. Mehr als das Eingeständnis, man verhandele „in drei bis vier Fällen“ mit Museen und Sammlern, ist Christiane Neuse nicht zu entlocken. Ähnlich verhält es sich bei der Mannheimer Galerie Bausback, die sich auf antike Teppiche konzentriert. Es gebe laufende Verhandlungen, erklärt Christa Bausback freundlich, aber unverbindlich. Doch beginnt man offenkundig auf der Ars Nobilis Geld zu verdienen. „Uns geht es darum, hochklassige alte Kunst vorzustellen, die es sonst in Berlin nicht gibt“, sagt Arndt. Das ist gelungen: Arndts Vorschlag, angesichts des Arbeitsaufwands für die Veranstalter im nächsten Jahr zu pausieren, wurde von den teilnehmenden Händlern entschieden abgelehnt.

Ars Nobilis, Automobil Forum, bis 27. Oktober; Sonnabend und Sonntag 10-18 Uhr.

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