Kultur : Kleiner Eingriff, große Wirkung

ELFI KREIS

Konzeptuelle Kunst zählt zu den Schwerpunkten im Programm der Galerie Franck + Schulte.Mit Sol LeWitt vertritt sie einen der amerikanischen Pioniere dieser für die internationale Kunstentwicklung besonders der 60er und 70er Jahre wegweisenden Kunstrichtung.Um die Vielseitigkeit des Spektrums aufzeigen, das auch noch nach drei Jahrzehnten in konzeptueller Kunst und Minimal Art steckt, ergänzen Arbeiten von Donald Judd und Robert Mangold dieses "Heimspiel".Drei Positionen dreier amerikanischer Künstler einer Generation werden im Medium Druckgrafik gegenübergestellt.

LeWitts grautonige Serie von Aquatintaradierungen "Forms Derived from a Cube" (1982) zeigt isometrische Projektionen durch horizontale und vertikale Teilungen von Formen, die vom Rechteck abgeleitet sind.Die Folge ähnelt technischen Zeichnungen, die Auf- und Grundriß gleichermaßen abbilden.Ausgehend von einem auf mathematischen Gesetzen beruhenden Schema entwickelt LeWitt eine komplexe Vielfalt von Variationen.Sein Interesse an Farbe, der Positionierung und Entfaltung von Farbformen wird bei "Forms Derived from Rectangular Solid" anschaulich.Die 12teilige Serie von 1990 geht von objektartigen, geometrischen Farbkörpern aus, die bald darauf von linear geprägten, dynamischeren Farb- und Flächenstrukturen abgelöst wurden.

Die puristischste Position innehalb der Schau beansprucht Judd.Bei einer zehnteiligen Suite in Kadmiumrot von 1988 thematisierte er Teilung und Umkehrung.Einfach und präzise teilen horizontale oder vertikale Linien das rechteckige Blatt seiner Holzschnitte.Sie bilden ein Farbrechteck mit Leerrand oder in Umkehrung rechteckige Leerstelle und Farbrand - Bild und Gegenbild.Teilung und Umkehrung von Linien bei zwei bis höchstens drei Farben bilden sein Leitmotiv.1993 entstanden Holzschnitte, bei denen eine schwebende Linie aus Ölfarbe auf die Glasoberfläche gedruckt ist.Minimaler Eingriff, große Wirkung: Judds Grafik wirkt nie "flach", sie scheint plastisch der Fläche entrückt (27 000 DM).

Am weitesten geht Robert Mangold, seine Systeme in Freiheit aufzulösen.Ein Rahmen wird bei leerer Mitte zum Bild.Paare von Halbkreisen signalisieren Phasen, die sich gedanklich zur Einheit ergänzen.Die Farblithografien "Fragments V-VII" (1998, 8400 DM) zeigen organisch geschwungene, teilweise strukturierte Farbformen mit fließende Randbegrenzungen, die an geschwungene Profile erinnern.Ihnen sind lineare Ovale eingeschrieben, deren winzige Unregelmäßigkeiten eine auf Exaktheit gepolte Wahrnehmung irritieren.Die linearen Strichovale erinnern an piktogrammartige Köpfe oder Linienformationen eines Oszilligraphen: Tatsächlich sind es abstrakte, ambivalente und offene Denkmuster.

Galerie Franck + Schulte, Mommsenstraße 56, bis 6.Februar; Montag bis Freitag 11-18 Uhr, Sonnabend 11-15 Uhr.

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