Kultur : Kleines Glück Die „Lab“-Architekten Bow-Wow bei Aedes

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Luftnummer. Das „Guggenheim Lab“ von Bow-Wow am Pfefferberg. Foto: Mike Wolff
Luftnummer. Das „Guggenheim Lab“ von Bow-Wow am Pfefferberg. Foto: Mike Wolff

Versteckt steht das „BMW Guggenheim Lab“ in einer Nische am Pfefferberg, umgeben von Häusern, die es wie eine Festung umschließen. Nach den Drohungen aus Kreuzberg schien es geraten, das luftige Stahlskelett gegen Besetzungsversuche zu sichern. Das allerdings steht in diametralem Gegensatz zur Intention seiner Entwerfer, dem Atelier Bow-Wow aus Tokio. Wenige Schritte vom Lab entfernt zeigt die Architekturgalerie Aedes einen Ausschnitt aus der Arbeit von Momoyo Kaijima und Yoshiharu Tsukamoto, die Bow-Wow 1992 gegründet haben (Aedes am Pfefferberg, bis 5. Juli, Katalog 10 €).

Ihren Ruf haben sie mit „kleiner“ Architektur und mehr noch mit Interventionen im Stadtraum erworben. Nun ist Tokio allerdings ein äußerst heterogener, ja chaotischer Stadtraum, in dem Klein und Groß, Hoch und Niedrig, Wohnhaus und Büroturm unvermittelt nebeneinanderstehen. Platz ist knapp und unendlich kostbar. Gerade in dieser misslichen Lage erkennt Bow-Wow das Potenzial für witzig-spielerische Eingriffe. Bei Aedes zu sehen ist das Modell eines Stadtparks auf dem Dach eines Parkhauses Seite an Seite mit einer viergleisigen Eisenbahnstrecke, dem Bow-Wow Kletterwand und Skateboardanlage zugefügt haben, oder die Gestaltung eines Bahnhofsvorplatzes, der auf die Wünsche und Bedürfnisse der überalterten Einwohnerschaft dieses Tokioter Vororts zugeschnitten ist.

Immer steht die Diskussion mit den Beteiligten am Anfang der Arbeit von Bow-Wow, um Bedürfnisse und Interessen zu erkennen und auszutarieren. Am Ende steht ein Konzept, das alle Seiten als das ihre betrachten können. Es geht nicht in erster Linie um Gestaltung oder gar um das Ego der Architekten, sondern um punktuelle Intervention in einer verworrenen Situation, wie sie Tokio nun einmal bietet. Gestaltung ist überhaupt nachrangig – im Mittelpunkt steht das kleine Glück der Reparatur.

Eben diese Vorgehensweise machte Bow-Wow zum idealen Denk-Team für das Lab, auch wenn das bisher in Berlin vorgeführte Bastelstubenidyll erheblich unter der Messlatte für Problembearbeitung bleibt, die Bow-Wow im heimischen Tokio aufgelegt hat. Dass die Welt an selbst genähten Stofftaschen und zusammengeschraubten Höckerchen genesen kann, glauben hoffentlich nicht einmal die Guggenheim-Routiniers. Eigentlich schade, dass sich Bow-Wow für das globale Lab-Marketing hergegeben haben – und wie schade, das ist bei Aedes zu erkennen. Bernhard Schulz

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