Klenke Quartett mit den Humboldt-Soiréen : Der Salon von Berlin

Die Heilig-Geist-Kapelle in Mitte kennt fast niemand, dabei ist sie das älteste vollständig erhaltenen Gebäude im Berliner Stadtkern. Zum Glück kommt das Klenke Quartett mit den Humboldt-Soiréen hierher.

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Das Klenke Quartett.
Das Klenke Quartett.Foto: Promo

Eigentlich müsste ja jeder Berliner die Heilig-Geist-Kapelle kennen. Dass dem nicht so ist, liegt nicht bloß an dem etwas sperrigen Superlativ für das 1300 errichtete Baudenkmal („ältestes in der Gesamtheit erhaltene Gebäude im historischen Stadtkern Berlins“) sondern auch daran, dass der schlichte, aber intime sakrale Raum mit dem Sternrippengewölbe heute zur Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität gehört und in der Regel nicht öffentlich zugänglich ist. Um so wichtiger sind öffentliche Veranstaltungen, welche die Aura des Orts erlebbar machen und eine Brücke zur Geschichte schlagen.

Eine solche Veranstaltungsreihe sind die Humboldt-Soiréen, die das Klenke Quartett zwei Mal im Jahr veranstaltet. Eine überraschend günstige Akustik, welche die sehr ansprechende, transparente Sonorität des Quartetts noch unterstützt, trifft hier auf eine überlegte Programmgestaltung, in der auch die Berliner Salonkultur des 19. Jahrhunderts wiederauflebt. Äußerst vorteilhaft macht sich das 1858 entstandene g- moll-Streichquartett der einst in der Berliner Gesellschaft durchaus erfolgreichen Emilie Mayer in diesem Rahmen aus: ein kleines Meisterwerk, das die Formen seiner Zeit zwar nicht sprengt, aber mit Geist und dunkler Leidenschaft ausfüllt und in seinem dritten Satz auch noch ein reizend instrumentiertes Choralzitat bereithält.

Mendelssohn wird zum Publikumliebling

Für nicht minder große Nähe sorgt Detlev Glanerts zweites Streichquartett, zumal es der beredte Komponist im Gespräch mit Clemens Trautmann persönlich vorstellt. Das als etwas voreiliges Requiem auf seinen Lehrer Hans Werner Henze komponierte Stück huldigt der Klanglichkeit der Neuen-Musik-Szene, ist aber dabei so kompakt, sinnlich und mit so klar fasslichen Trauergesten geschrieben (besonders berührend: der Abgesang der Bratsche zu obertönigem Flageolett der Geigen), dass man es jedem Mäzen für die zeitgemäße musikalische Ausgestaltung der eigenen Trauerfeier ans Herz legen könnte. Zum Publikumsliebling wird dann aber doch Felix Mendelssohns e-moll-Quartett op. 44/2, obwohl sich gerade hier auch die schwächeren Seiten des Klenke Quartetts manifestieren: mangelnde Zuspitzung des „Appassionato“- Charakters und eine nicht ganz austarierte Balance zwischen lyrischen und motorischen Figuren.

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