Klerikal-Klamauk „Wer’s glaubt wird selig“ : Die eilige Heilige

Der Bayer Marcus H. Rosenmüller mag's gern deftig. In seiner neuesten Komödie „Wer’s glaubt wird selig“ dringt er in die bizarre Welt der Betschwestern ein.

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Standpauke. Georg (Christian Ulmen) und der Papst (Nikolaus Paryla). Foto: Constantin Foto: Constantin
Standpauke. Georg (Christian Ulmen) und der Papst (Nikolaus Paryla). Foto: ConstantinFoto: Constantin

Beten gefährdet die Gesundheit. Zu viel Religiosität kann tödlich enden. Da hat sich die fanatisch fromme Schwiegermutter eine Privatkapelle erschaffen, die von flackerndem Kerzenlicht illuminiert wird. Doch im Schlafzimmer nebenan wird so heftig gesündigt, dass ihr lauthals herausgeleiertes „Ave Maria“ das Stöhnen von Tochter und Schwiegersohn nicht mehr übertönen kann. Gerade hat sie ihr finales „Jetzt und in der Stunde unseres Todes“ auf den Lippen, als das ruckelnde Liebesbett gegen die Wand schlägt und ein daraufhin herabstürzendes Metallkruzifix die Büßerin auf dem Betstuhl erschlägt. Ogottogott!

Der Regisseur Marcus H. Rosenmüller war schon immer ein Freund des etwas derberen Humors, aber in „Wer’s glaubt wird selig“ trägt er besonders dick auf. Da lobpreist ein falscher Heiliger in der oberbayrischen Dorfkirche die freie Liebe: „Der Herrgott sagt, wir sollen unseren Nächsten mit ganzem Körper lieben.“ Als eine Herrenrunde von Honoratioren einen Softporno mit der einstigen Dorfschönheit begutachtet, befindet der Lehrer: „Vom Rhythmus her ist das Kunst, wie Hölderlin.“ Und dann sitzt plötzlich der Papst in der Küche des Dorfwirts, der, wenn wir es richtig verstanden haben, wohl auch sein Schwiegersohn ist.

Das mag alles schrecklich albern klingen, aber wer es mit der Plausibilität eines Filmplots nicht allzu genau nimmt, der kann in dieser Klerikalkomödie tatsächlich selig werden. Das liegt vor allem an der Verve, mit der sich die Schauspieler in ihre Rollen stürzen, die allesamt Karikaturen sind. Christian Ulmen wirkt als zunehmend derangierter Wirt im Jogginganzug wie ein Nachfahre von Jeff Bridges’ „Dude“ in „The Big Lebowski“. Hannelore Elsner schreckt nicht davor zurück, sich im Leichenhemd aufbahren zu lassen, um später – oder ist es eine Doppelgängerin? – winkend in einem Boot auf dem Dorfweiher aufzuerstehen.

Auferstehen, so wollen es Schwiegersohn und Honoratioren, soll sie als Heilige, um das ehemals blühende, nun aufgrund von Schneemangel verödete Skiparadies in einen Wallfahrtsort zu verwandeln. Nur die Tochter, von Marie Leuenberger als einzige Vernünftige unter lauter Verrückten gespielt, wehrt sich: „Meine Mutter war keine Heilige. Sie war ein Junkie, Beten war für sie das Heroin“. Sancto subito? Eine Heiligsprechung dauert im Durchschnitt 145 Jahre. Außer es ereignen sich Wunder. Und Wunder sind machbar. Rosenmüller gilt seit seinem Überraschungserfolg „Wer früher stirbt ist länger tot“ als Erneuerer des Heimatfilms. Mit „Wer’s glaubt wird selig“ gelingt ihm die Rundumreform des bayerischen Bauerntheaters.

In acht Berliner Kinos

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