Kultur : Klick in der Optik

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Jens Mühling sucht Massenvernichtungswaffen im Internet

Der globale Suchbefehl ist ausgegeben: Wo sind die irakischen Massenvernichtungswaffen? Irgendwo müssen sie sein, sagt Donald Rumsfeld. Irgendwo, bitte, müssen sie doch sein, betet George Bush. Die müssen doch irgendwo sein, zittern Tony Blair und Colin Powell, die besser schnell was finden sollten, um nicht als Erfinder dazustehen. Schon lange nichts mehr zu suchen im Irak hat dagegen Hans Blix. Es gibt ja auch gar nichts zu suchen, behauptet so mancher, allen voran der irakische Informationsminister, nach dem übrigens schon lange niemand mehr sucht. Selbst die Fahndung nach Osama bin Laden und Saddam Hussein erscheint zweitrangig, seit die Welt fieberhaft nach Waffen forscht – oder den tatsächlichen Gründen für den IrakKrieg.

Wer in unseren modernen Zeiten etwas sucht, geht ins Internet. Warum sollten dort nicht sachdienliche Hinweise auf den Verbleib der Massenvernichtungswaffen zu finden sein – Google weiß doch sonst immer alles. Wer aber jetzt die Suchmaschine mit der Begriffskette „weapons of mass destruction“ füttert, der stößt auf eine Fehlermeldung: Massenvernichtungswaffen nicht auffindbar. Auf den ersten Blick ähnelt die englischsprachige Warnung jenem Standardhinweis, der die Sackgassen des Internets vor unbefugtem Zutritt schützt. Bei näherem Hinsehen allerdings wird man stutzig: „Die Waffen, nach denen Sie suchen, sind zur Zeit nicht verfügbar“, heißt es da. Und weiter: „Entweder leidet das zu durchsuchende Land unter technischen Schwierigkeiten, oder das Mandat Ihres Waffeninspektors ist abgelaufen. Klicken Sie das Regimewechsel-Symbol oder versuchen Sie es später noch einmal.“

Wenn ein Computer nicht funktioniert, dann liegt das in der Regel am Benutzer. Das weiß auch Google und gibt die Schuld für die fehlgeschlagene Suche zurück an den Menschen: „Wenn Sie George Bush sind und den Namen des Landes in die Adressenleiste eingegeben haben, stellen Sie sicher, dass er richtig buchstabiert ist (IRAK)." Damit wäre zumindest ein Schuldiger gefunden. Aber darauf kommt es ja gar nicht an. Googeln Sie „Bush“, und es kommen 15 Millionen Einträge – bis der Bildschirm explodiert.

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