Kultur : Klick-Kunst

Erfolgreich zurück: die Online-Messe VIP Art Fair.

Angela Hohmann

Die Kunstwelt trifft sich erneut zum gemeinsamen Browsen: Die VIP Art Fair 2.0 hat begonnen und lädt bis zum 8. Februar ein zweites Mal ausschließlich ins Internet. Tatsächlich konnten die Gründer Jane und James Cohan, beide angesehene Galeristen in New York, Schwergewichte wie Gagosian, Marian Goodman, David Zwirner, Hauser und Wirth oder Max Hetzler für die Onlinemesse gewinnen – und mit den Berliner Galerien Eigen + Art und Thomas Schulte sind neue arrivierte player dabei. Andere wie Sadie Coles (London), Sprüth Magers (Berlin, London) und Michael Werner (New York, Köln) bleiben nach den unerfreulichen Erfahrungen im letzten Jahr diesmal fern.

Für die Messe steht viel auf dem Spiel, denn der als Weltpremiere gefeierte Start im Januar 2011 fiel wegen technischer Probleme ins Wasser, die viel gepriesene Chatfunktion musste kurzfristig abgeschaltet werden. Etliche Galerien forderten verärgert ihre Standgebühren zurück, je nach Größe immerhin bis zu 20 000 Dollar für die virtuelle Koje. Die Politik der Gründer: Teilbeträge zurückzahlen und konsequent weitermachen.

Für ausfallende Galerien kamen Neuzugänge aus China, Indien und den Vereinigen Arabischen Emiraten dazu. Neu-Einsteiger wie Eigen + Art ließen sich von der Onlinemesse überzeugen, denn hier, so Judy Lybke, biete sich „die Chance auf ein sehr viel breiteres Publikum und damit auf neue Sammler“. Schulte präsentiert mit dem nordirischen Maler Mark Francis (15 000- 75 000 Euro) verhaltener erst mal nur einen Künstler in der preiswerten Focus-Abteilung. Für ihn hat sich die Messe schon jetzt gelohnt: „Wir haben bereits zwei Bilder verkauft.“

In diesem Jahr erwarten die Betreiber bis zu 100 000 Interessierte, die sich das Angebot von 115 Galerien aus über 30 Ländern anschauen. 50 000 Kunstfreunde sollen sich bereits im Vorfeld registriert haben, am Eröffnungstag war angeblich ein Fünftel davon virtuell unterwegs. Für 50 Dollar Gebühr sehen Besucher sämtliche Preise ab 200 Dollar bis zu einer Million und haben Zugriff auf die Chatfunktionen. Unter den teuren Arbeiten sind ein dreiteiliges Ölgemälde von Luc Tuymans bei Zwirner, eine Installation von Nancy Spero bei Lelong oder die Bronzeskulptur „Nachhut“ von Neo Rauch (Eigen + Art). Drucke und Multiples sind für weit weniger Geld zu haben. Gagosian wartet ausschließlich mit Dot-Painting-Drucken von Damien Hirst auf und bedient mit Preisen zwischen 3000 und 7000 Dollar überraschenderweise das Niedrigpreissegment. Ansonsten findet man Namen wie Fernand Léger, Pablo Picasso, Louise Bourgeois, Alex Katz, Georg Baselitz, Gerhard Richter, Yves Klein, Jeff Wall und viele mehr. Unter „Discussions“ stellen sich Galeristen, Sammler und Kunstexperten in Videoporträts vor, was die Sache auflockert und persönlicher macht. In den eingestellten Prominenten-Touren flaniert man mit Kunstexperten und Kuratoren über die virtuelle Messe.

Man kann den Gründern nur wünschen, dass diese Messe ein Erfolg wird. Die beiden Sammler Selmo Nissenbaum und Philip Keir haben haben insgesamt eine Million Dollar in das Projekt investiert, ein neues Technikerteam sorgt für die reibungslose Performance, und das neue, im Internetvertrieb erfahrene Führungsteam aus Lisa Kennedy als CEO und Liz Parks als Messedirektorin soll die Besucher- und Verkaufszahlen konsequent steigern. Angela Hohmann

www.vipartfair.com

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