Kultur : Klicken Sie jetzt!

-

Bodo Mrozek über die wirklichen Publikumslieblinge der Berlinale

Zwischen wahrem Wert und Warenwert klafft in der Kulturindustrie mitunter eine tiefe Kluft. Dies gilt auch für die Berlinale. Die Kritik entscheidet oft anders als die Jury. Woran soll man sich halten? Das letzte Wort spricht der zahlende Kulturkonsument an der Kinokassse. Hinter roten Absperrkordeln, Handgelenkbändchen und um die gereckten Hälse baumelnden Ausweiskärtchen glaubt sich man sich zwar der breiten Masse entrückt. Doch wo streng limitiert wird, da blühte schon immer ein reger Schwarzmarkt. Neu daran ist, dass man ihn nun nicht mehr in den Seitenstraßen hinterm Kinoausgang auch suchen muss, sondern in aller Öffentlichkeit verfolgen kann – und zwar auf Ebay. Nirgends lässt sich besser studieren, wer in der Publikumsgunst tatsächlich vorne liegt, als in diesem TrendBarometer.

Gibt man in die Internet-Auktionsbörse den Suchbegriff „Berlinale“ ein, so landet man eine stattliche Trefferzahl. Wenig Bieterinteresse erregen bisher Karten für den Film „Ae Fond Kiss“ (Einstiegspreis 1 Euro, kein Gebot). „Triple Agent“ von Eric Rohmer ist dem Ebay-Publikum schon 7,50 Euro wert (1 Gebot). Für den Blues-Film „Lighting in a Bottle“ steht das Höchstgebot immerhin bei 10,50 Euro (5 Bieter). Klar in Führung bei den Ebay-Cineasten liegt aber mit 21,49 Euro „Confidences trop intimes“ von Patrice Leconte (8 Gebote).

Beliebter als die Filme selbst sind die Accessoires: Hier wird symbolisches Kapital in harte Währung umgewandelt. Die – eigentlich kostenlose – Pressetasche mit Werbeaufdruck steht als begehrtes Prestigeobjekt nach nur einem Tag bei 15,50 Euro (6 Gebote). Sparfüchse sollten daher auf eine ebenfalls angebotene Tasche aus dem Jahre 2001 setzen. Die ist zwar veraltet, kommt aber mit Anstecknadel und kostet nur 5,50 Euro.

Der ganz große Gewinner ist das Partygeschehen. Den bisher höchsten Zuschlag bekamen zwei Karten für die Vip-Lounge einer so genannten Berlinale-Party in der Disco 90 Grad. Dass die dort angeblich zu erwartenden Stars nicht weiter benannt wurden, störte die Bieterfreude wenig: Der virtuelle Hammer fiel bei 162 Euro. All dies sind natürlich nur Trends. Die endgültige Publikumsentscheidung bleibt wie immer abzuwarten. Denn im Unterschied zur Berlinalekasse gilt auf Ebay bekanntlich: Später Vogel fängt den Wurm. Der letzte Klick entscheidet. (Alle Angaben entsprechen dem Stand zu Redaktionsschluss und sind ohne Gewähr.)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben