• Klimagipfel: "Die EU-Staaten sind nicht eingeknickt" - WWF-Expertin Regine Günther ist mit dem Pronk-Papier zufrieden

Kultur : Klimagipfel: "Die EU-Staaten sind nicht eingeknickt" - WWF-Expertin Regine Günther ist mit dem Pronk-Papier zufrieden

Wie beurteilen Sie als Umweltschutzorganisation da

Regine Günther ist Leiterin des Referats für Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland.

Wie beurteilen Sie als Umweltschutzorganisation das Kompromisspapier von Tagungspräsident Jan Pronk?

Wir sind vorsichtig positiv eingestellt. Wir glauben, dass Pronk eine gute Architektur für den internationalen Klimaschutz - so wie wir es immer gefordert haben - vorgelegt hat. Bei der Frage der Anrechnung von Senken hat sich die Europäische Union allerdings bis zu Schmerzgrenze auf die Blockierer des Kyoto-Protokolls zubewegt.

Warum sind die EU-Staaten so eingeknickt?

Unserer Analyse nach sind sie nicht eingeknickt. Sie haben für diesen akzeptablen Vertragsrahmen viele Zugeständnisse bei den Senken gemacht und haben die Forderungen aufgegeben auch zu Hause CO2

einzusparen. Das Reduktionsziel selbst hat sich so bis 2010 von minus 5,2 auf minus 1,8 Prozent verschoben, also weniger als bei dem Minimalkompromiss von Kyoto festgelegt worden war. Wir wären glücklicher, wenn die EU-Staaten mehr herausgeholt hätten.

Ist das nicht ein bisschen wenig für eine Umweltschutzorganisation, den Kompromiss des Kompromisses noch als Erfolg zu sehen?

Man muss bedenken, dass es sich bei einem solchen Vertragswerk um einen Meilenstein bei der Bekämpfung des Klimawandels handelt. Insgesamt müssen sich über 150 Staaten auf die Spielregeln verständigen. Dies ist ein Geben und Nehmen. Die EU hat sich bewegt, aber unsere zentralen Forderungen sind dennoch in dem Pronk-Papier enthalten. Das sind zum Beispiel die verbindlichen Sanktions- und Kontrollmechanismen am Ende der Verpflichtungsperiode, wenn die Staaten die Reduktionsverpflichtungen nicht erfüllen sollten. Und es gibt ein Kontrollorgan, das die Nichterfüllung überwacht. Damit steht und fällt das Protokoll.

Glauben sie, dass Blockiererstaaten wie Australien, Kanada, Russland und Japan dem Vertrag zustimmen und vor allem ihn auch ratifizieren?

Russland, Japan und Kanada haben so viel bekommen - teilweise mehr als sie jemals gefordert hatten. Die Länder haben wirklich jeden Grund zu ratifizieren. Jetzt stehen sie vor der politischen Frage: Wollen sie das Kyoto-Protokoll oder nicht.

Die Formulierungen in dem Pronk-Papier sind sehr weich und lassen einen großen Raum für Interpretationen. Nun wird der Geist der Vereinbarung beschwört, der den Inhalt retten soll.

Mit dem Vertragstext werden die Länder auf jeden Fall gezwungen, einen Abwärtstrend der Kohlendioxid-Emissionen einzuleiten. Sie müssen ihre Energiewirtschaft umbauen, weg von der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien und deren effizienten Einsatz.

Haben die geplanten Kohlendioxid-Einsparungen überhaupt Auswirkungen auf den Klimawandel?

Im ersten Verpflichtungszeitraum kaum. Wichtig ist, für mögliche folgende Verpflichtungsperioden anspruchsvolle Ziele zu formulieren, um bis 2050 zu einer weltweiten Reduktion von Treibhausgasen um 50 Prozent zu kommen. Im Jahr 2100 möchten wir die kohlendioxidfreie Energiewirtschaft erreicht haben. Wird das jetzige Vertragswerk Realität, steht ein Gerüst, um dieser Herausforderung zu begegnen. Doch dann geht die Arbeit erst richtig los.

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