Klimamanifest : Deutsche Architektenschaft: Mehr Mut wagen

Ein Jahr ist es her, dass die deutsche Architektenschaft durch ihre Standesorganisationen mit dem "Klimamanifest – Vernunft für die Welt" die Selbstverpflichtung zu umweltverträglichem und nachhaltigem Bauen eingegangen ist. Nun wurde gestern in der Akademie der Künste eine erste Bilanz gezogen.

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„Das Beste, was ich zu diesem Thema bislang gesehen habe“, lobte Claus Leggewie, Sozialwissenschaftler und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, die Zunft für dieses Bekenntnis. Danach zündete Leggewie ein Feuerwerk an Fachbegriffen vor den Zuhörern im nur halb gefüllten Saal der Akademie: „bottom up“, „global monitoring“, „pledge and review“. Zumindest kam an, dass die Zukunft in den großen Städten liege; und dazu die Aufforderung: „Vom falschen Mehr zum besseren Weniger übergehen!“

Das war gegen Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesbauministerium gerichtet, der zuvor eine energieeffiziente Zukunft in hellsten Farben ausgemalt hatte, mit einer Million Elektroautos bereits 2020 und dem „Energie-Plus- Haus“, das nicht nur sich selbst versorgt, sondern auch noch gleich 50 000 Kilometer Elektrofahrzeugleistung im Jahr miterbringt. Nur keine Einschränkung der Mobilität!, so Bombas Credo. Im Übrigen „wollen wir unser Wissen exportieren und: Wir wollen Arbeitsplätze schaffen.“

Sebastian El Khouli, Architekt aus Zürich, versuchte im Anschluss den anwesenden Architekten – unter denen man die bekanntesten Gesichter der Berliner Zunft vergeblich suchte – Mut zu machen, das „Gebaute als Teil einer Lebenswelt“ zu begreifen, „die es zu respektieren gilt“. Nachhaltigkeit und Baukultur stünden mitnichten gegeneinander. Es gelte, „statt globalem Einheitsbrei kritischen Regionalismus“ zu betreiben. Immerhin, El Khouli zeigte dazu gelungene Beispiele. Die machten tatsächlich Lust auf „innovative Lösungen“. Schade, dass sich die Schlussdiskussion am Nachmittag in altbekanntem Klein-Klein über Bürgerbeteiligung und Verwaltungshemmnisse erschöpfte. Daraus erwächst keine Nachhaltigkeit.

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