Kultur : Klimt mit Katze - Berlins Villa Grisebach erzielt Spitzenpreise

Vanessa Müller

Der Aufwärtstrend setzt sich fort - nach Rekordergebnissen bei den international führenden Auktionshäusern konnte jetzt auch die Berliner Villa Grisebach bei ihren vier Herbstauktionen Spitzenpreise erzielen. Mit einem Umsatz von insgesamt 17,8 Millionen Mark erreichte man am Wochenende ein unverhofft hohes Ergebnis, das den diesjährigen Jahresumsatz zum höchsten in der Geschichte des Hauses verwandeln wird. Vor allem die Fotografie, die mit insgesamt 400 Nummern vertreten war, sorgte für Preisrekorde. Dieses in der Akzeptanz stetig wachsende Medium erzielte allein einen Gesamterlös von 1,25 Millionen Mark - ein neues Spitzenergebnis.

Obschon die Villa Grisebach vor allem deutsche Kunst im Programm hat, konnte man mit der Auktion auch die internationale Sammlerwelt ansprechen, wie Bernd Schultz vom Berliner Auktionshaus betont. Und auch jüngere Interessenten, eine stark umworbene Klientel in der um Nachwuchs bemühten Sammlerszene, wurden von dem neuen Medium offenkundig besonders angesprochen. Begehrt scheint die Fotografie indessen vor allem dort, wo sie in Kontakt mit der klassischen Kunst tritt: Hart umkämpft in dem breiten Angebot, das sich von 1910 bis in die sechziger Jahre erstreckte, waren zahlreiche Künstler-Porträts. Ein Bildnis von Egon Schiele des Fotografen Johannes Fischer, 1915 entstanden, gehörte mit 35 650 Mark zu den Spitzenergebnissen, ebenso Moritz Mährs Porträt von Gustav Klimt mit Katze, das mit 82 800 Mark den höchsten Preis erzielte, der je auf einer deutschen Auktion für eine einzelne Fotografie gezahlt worden ist. Selbst Liselotte Strelows Porträt von Joseph Beuys konnte mit knapp 7500 Mark ein mehr als respektables Ergebnis erzielen. Dieser Trend setzte sich bis in die Nachkriegsfotografie fort. Mit 50 600 Mark für die Aufnahme eines chromblitzenden BMW-Kotflügels von Peter Keetman erreichte man auch hier den höchsten Preis für eine Arbiet aus diesem Zeitraum - der Schätzpreis lag bei 8000 Mark.

Doch auch die Kunst des Expressionismus, traditionell ein Schwerpunkt der Grisebach-Auktionen, sorgte für hervorragendeErgebnisse. Erich Heckels Gemälde "Stehendes Mädchen", 1913 entstanden, ging für knapp eine Million Mark an einen New Yorker Sammler. Die erstklassige Pietà-Figur "Mutter und Kind" von Wilhelm Lehmbruck, die schon im Vorfeld zur Preisspitze zählte, wurde für 575 000 Mark versteigert.

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