Kultur : Klonen: Britisches Menschenmaterial

Hendrik Bebber

1818 schrieb die Engländerin Mary Shelley ihren Schauerroman "Frankenstein". Für die Gegner des therapeutischen Klonens hat sich die Horrorvision jetzt in Großbritannien erfüllt: "Das Parlament will die künstliche Schaffung eines menschlichen Wesens erlauben," verurteilte der Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz des ungeborenen Lebens, Jack Scarisbrick, die Entscheidung des Londoner Unterhauses, das Klonen von Embryos für therapeutische Zwecke zu erlauben. Nachdem das Parlament am Vorabend mit 366 gegen 174 Stimmen eine entsprechende Gesetzesänderung gebilligt hat, ist in Großbritannien die Diskussion mit unverminderter Heftigkeit weitergegangen. Sofern die Lords zustimmen, wird Großbritannien das erste Land Europas, in dem bis zu 14 Tage alte Embryos geklont werden dürfen.

Während Wissenschaftsorganisationen und Patientenverbände die Entscheidung des Unterhauses begrüßten, zeigten sich konservative und christliche Gruppen entsetzt. Kritiker wie Scarisbrick hoffen, dass das Oberhaus das Gesetz jetzt doch noch verhindert: "Die Gesellschaft sollte schaudern vor Entsetzen". Yvette Cooper, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, hatte während der Debatte bereits vor diesem Trugschluss gewarnt: "Es wäre eine Schande, wenn die Furcht vor Science-Fiction wissenschaftliche Forschung behindert, die Menschenleben retten kann". Das Klonen von Babys bleibe weiterhin gesetzlich streng verboten. Die neuen Regelungen erlaubten allein die Forschung mit Stammzellen, die Embryonen in einem maximalen Entwicklungsstadium von zwei Wochen entnommen werden.

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