Kloster Corvey als Weltkulturerbe : Eine Kirche wie eine Burg

Kloster Corvey wurde im Jahr 822 gegründet, kurz nachdem Karl der Große die Sachsen blutig besiegt hatte. Jetzt könnte die ostwestfälische Abtei zum Unesco-Weltkulturerbe aufsteigen.

Christian Schröder
Stark und steil. Das romanische Westwerk des Klosters Corvey.
Stark und steil. Das romanische Westwerk des Klosters Corvey.Foto: picture alliance / dpa

Die steil aufragende Fassade mit ihren schießschartenschmalen Fenstern erinnert an eine Festung. Zwei Türme mit spitzen Helmen weisen wie Finger gen Himmel. Das berühmte Westwerk des Klosters Corvey stammt aus einer Zeit, als der Glaube noch eine Burg und ein Gotteshaus eine Bastion war. Die Reichsabtei, die hier einst stand, ließ Ludwig der Fromme ab 822 errichten, kurz nachdem sein Vater Karl der Große die Sachsen blutig unterworfen hatte. Der Grundstein für das romanische Westwerk, den ältesten bis heute erhaltenen Teil des Gebäudeensembles, wurde 873 gelegt.

Es ging darum, den Ort vor Angriffen zu schützen, und die ungläubigen Sachsen zu Christen zu machen. Das Kloster, in dem Reliquien der Heiligen Stephanus und Vitus verwahrt wurden, entwickelte sich zum Pilgerort. Zahlreiche Bischöfe gingen aus ihm hervor. Eine Inschrift am Westwerk bittet poetisch: „CIVITATEM ISTAM TV CIRCUMDA DNE ET ANGELI TVI CVSTODIANT MVROS  EIVS“ – Herr, umgib diese Stadt und lass deine Engel Wächter ihrer Mauern sein.

Deutschland hat in diesem Jahr das unweit der ostwestfälischen Stadt Höxter gelegene Kloster für die Liste des Unesco-Weltkulturerbes vorgeschlagen. Nominiert sind 40 Orte, das Welterbekomitee tagt vom 15. bis 25. Juni in Katars Hauptstadt Doha. Die Nachricht passt perfekt ins Karlsjahr zu Ehren Karls des Großen, der vor 1200 Jahren starb. In Aachen wird der Kaiser und Reichsgründer gleich mit drei Ausstellungen geehrt, die am 19. Juni beginnen und deren Schirmherren Bundespräsident Joachim Gauck, der französische Präsident François Hollande und der italienische Präsident Giorgio Napolitano sind. In Deutschland gibt es derzeit 38 Welterbestätten. Allererste war ab 1978 der Aachener Dom.

Im Mittelalter war Corvey Gegenstand der Weltpolitik, bedeutend blieb es auch danach noch. In der ehemaligen Abteil residierten bis zur Säkularisierung von 1802 Fürstbischöfe. Hoffmann von Fallersleben, Autor der deutschen Nationalhymne, war dort 14 Jahre lang Schlossbibliothekar. Zuletzt machte die Klosterkirche Schlagzeilen, als in ihr die Trauerfeier für die Fotoreporterin Anja Niedringhaus stattfand. Sie stammte aus Höxter und wurde in Afghanistan erschossen.

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