Kultur : Klüger trinken

Bodo Mrozek

1.) Vergessen Sie die Idee, zu Silvester die Party des Jahres erleben zu wollen. Feiern kann man in Berlin das ganze Jahr, und geringe Erwartungen bewahren vor großen Enttäuschungen.

2.) Schalten Sie Ihr Handy aus, das bewahrt Sie vor Partyhopping. Nichts ist schlimmer, als wenn alle fünf Minuten eine SMS-Nachricht eintrudelt: „Hier ist alles super“ oder „Kommt schnell in die So-und-so-Straße“. Wenn man dort eintrifft, ist garantiert niemand mehr da, weil inzwischen andere Leute gleichlautende Nachrichten verschickt haben.

3.) Wenn Sie selbst eine Party machen, glauben Sie nicht den Zusagen. Wer zugesagt hat, wird garantiert „leider irgendwo hängen geblieben“ sein, dafür kommen andere, die Sie noch nie gesehen haben. Das sind oft die nettesten Begegnungen. Manche bleiben bis zum Frühstück.

4.) Überlegen Sie sich vorher, wo Sie mit wem um Mitternacht sein wollen. Wenn es dann anders kommt, weil Sie wieder im Schienenersatzverkehr stecken geblieben sind: Bleiben Sie gelassen. Nicht ärgern, Sekt entkorken und mit allen Umstehenden anstoßen, als wären es Ihre besten Freunde.

5.) An wenigen Tagen bewahrheitet sich eine alte Weisheit so sehr wie an diesem. Sie lautet: Man soll gehen, wenn’s am schönsten ist. Was danach noch kommt, wird bestimmt nicht mehr schöner.

6.) Misstrauen Sie Substanzen, die Ihnen von Fremden angeboten werden. Dies gilt auch für lustige Partycocktails von Hobby-Barmixern, die sich einmal im Jahr an willenlosen Opfern austoben. Kopfschmerzen sind noch das Angenehmste, das Ihnen droht.

7.) Kaufen Sie Ohropax, Aspirin und Rollmöpse ein. Selbst wenn Sie vorhaben, „nur ein Gläschen Sekt zum Anstoßen“ zu trinken. Sie kennen sich besser.

8.) Wenn alles wieder nicht geklappt hat, obwohl Sie sich vorgenommen haben, jeden guten Rat in die Tat umzusetzen: Nächstes Jahr haben Sie eine neue Chance. Und da wird alles besser.

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