Kultur : Klug gehälftelt

KLASSIK

Jörg Königsdorf

Was ist der Unterschied zwischen Wein und Musik? Den besten Wein serviert man immer zuerst, die beste Musik spart man sich bis zum Schluss auf. Spontan haben die Musiker des Freiburger Barockorchesters ihr Programm im Kammermusiksaal umgestellt: Wer den Spielwitz und die Klangfinesse von Deutschlands vermutlich virtuosestem Kammerorchester erleben will, muss nun bis zur zweiten Konzerthälfte warten. Die erste besteht aus frühem Haydn und wird schnell vergessen. Schon wünscht man sich einen Dirigenten her, der dem nahtlos aufeinander eingespielten Ensemble auch pointierten Ausdruck abfordert, da zeigen die Musiker um Konzertmeister Gottfried von der Goltz ausgerechnet an einer Kassation des 13-jährigen Mozart, dass sie auch ohne Taktschläger auskommen: Freches Stimmen-Ping-Pong in den schnellen, hauchzarten con-sordino-Zuckerguss in den langsamen Sätzen machen die Serenade zur erstklassigen Unterhaltungsmusik. Doch das Beste zum Schluss: Hammerflügel-Champion Andreas Staier tritt den Beweis an, dass der quirlige Überschwang und die flotten Ohrwurmmelodien in Haynds D-Dur Konzert erst glaubhaft werden, wenn eine Ahnung vom Gegenteil, von Melancholie und Empfindsamkeit, im Raum steht.

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