Kultur : Kluge Kleckse

Die Kunstbibliothek zeigt Friedrichs Briefe.

Tomasz Kurianowicz
Der König am Schreibtisch. Buchtitel zum Gesamtwerk Friedrichs von 1913. Foto: SMB
Der König am Schreibtisch. Buchtitel zum Gesamtwerk Friedrichs von 1913. Foto: SMB

Draußen donnern die Kanonen – und im Zelt schreibt Friedrich der Große unbekümmert Briefe an seine Freunde. Die Ausstellung „Homme de lettres. Federic. Der König am Schreibtisch“ zeigt Friedrich den Großen von seiner intellektuellen Seite: als Schriftsteller und Poeten, als Feingeist und Wortschöpfer, als Mann, der sich selbst noch im Gefecht Schriften von Voltaire vorlesen ließ und zeitlebens mit Geistesgrößen korrespondierte. Die Kunstbibliothek zeigt wertvolle Originalbriefe, dank derer man nicht nur die wilden Gedanken, sondern auch die wunderschöne Handschrift des Königs studieren kann. Erstmals hat das Geheime Staatsarchiv einige der wertvollen Dokumente hervorgeholt.

Die historischen Archivalien zeugen davon, dass der preußische König ein Vielschreiber, ja rastloser Denker war. Aber nicht nur das: Wenn auf einem Briefkopf ein Tintenklecks erscheint, dann ist dies als Reaktion der Inbrunst und Unberechenbarkeit zu lesen. Friedrich II. führte seine philosophische Arbeit auf Französisch. Das Deutsche verwendete der Patriot lediglich für triviale Korrespondenzen wie etwa Militärbefehle an Untergebene. In diesen Bruchstellen zeigt sich die ganze Widersprüchlichkeit, die sowohl Friedrichs politische Entscheidungen als auch dessen intellektuelles Schaffen umfasst. Nirgends erfährt man dies so gut wie in seinen Briefen. Schade nur, dass die französischen Dokumente nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Tomasz Kurianowicz

Kunstbibliothek, Matthäikirchplatz, bis 30. 9., Di-So 11-18 Uhr

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