Kultur : Knackige Vibes

VOLKER LÜKE

Es gab eine Zeit, da war HipHop so monoton und trocken wie die gesammelten Aufnahmen von John Lee Hooker.Alles, was man brauchte, waren zwei Plattenspieler und ein Mikrophon.Old School nennt man das heute, und Gang Starr aus New York sind würdige Vertreter dieses Stils, HipHop- Tradionalisten, deren Musik sich auf das Wesentliche reduziert, auf das, was HipHop schon immer ausgemacht hat: Beats und Reime, Musik und Stimme, alles an Verpackung und Fleisch heruntergeschält, so daß nur der Knochen übrigbleibt.Ein intelligentes Konzept, das Rapper Guru und DJ Premier ausgebrütet haben, ausgehend von ihrem Debüt-Album "No More Mr.Nice Guy" bis zur aktuellen Scheibe "Moment of Truth", ihrem ersten Album seit vier Jahren, das mal wieder über jeden Zweifel erhaben ist.Ein Füllhorn knackiger Vibes und feinster Soundpartikel, ausgetüftelt von DJ Premier, der in der HipHop-Welt in etwa die Stellung einnimmt, die Jeff Mills in der Techno-Welt innehat.Ihn auflegen zu sehen ist ein erhebendes Erlebnis, wie sich beim Auftritt von Gang Starr am Samstagabend in der Arena herausstellt."In Deep Concentration", wie das Statement eines alten Gang-Starr-Stückes lautet, verbringt er den Abend hinter seinen Plattenspielern, grabbelt in der Plattenkiste und wirbelt mit den schwarzen Plastikscheiben, während ein Haufen beflissener Lehrlinge in den Reihen des Publikums seine Finger keine Sekunde aus den Augen läßt, staunt und zu verstehen versucht, wie er diese deliziösen Beats von den Tellern droppt und es dabei immer wieder schafft, mit punktgenauen Scratches die Intensitäten voranzutreiben.

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