Kultur : Knautschgesichter

Moment mal, irgendwie kommen einem diese Knautschgesichter doch bekannt vor, wie sie da so schlaff an der Wand hängen.Links, der mit den dicken Lippen, daneben der Typ mit der Kippe, dann der Kahlkopf und rechts der total Verknitterte? - Klar, das sind die Rolling Stones! Von links nach rechts: Mick Jagger, Ron Wood, Charlie Watts und Keith Richards.Modelliert wurden die Rock-Opas von Birgit Dieker, einer 30 Jahre alten Meisterschülerin an der Berliner Hochschule der Künste.Portraits von den Stones gibt es ja in rauhen Massen.Außergewöhnlich bei Diekers ironischer Bearbeitung ist nicht nur die Größe der Objekte - jeder Kopf ist mindestens zwei Meter hoch, 120 Zentimeter breit und 50 Zentimeter tief - sondern vor allem auch das Material: die Künstlerin hat Fetzen von silbergrauer LKW-Plane mit Gaffa-Tape zusammengeklebt."Das Plastik soll auf die Unterhaltungsmaschinerie bombastischer Tourneeveranstaltungen verweisen", erklärt Dieker.Die Planen erinnern aber auch an menschliche Haut - und die ist ja auch bei den Originalen schon reichlich eingefallen."Meine Köpfe sehen aus, als hätten die Stones nach der Show einfach ihre Masken abgelegt und an die Wand gehängt.Die werden ja in einer Branche alt, die das Älterwerden eigentlich verbietet." Dieker kennt die Stones-Klassiker, ein Fan ist sie aber nicht."Ich mag ihre Musik, aber zu meiner Biografie gehören sie nicht." In ihrem Atelier legt sie sich lieber eine Platte der Rapper "A Tribe Called Quest" auf.Trotzdem hat Dieker viel Spaß dabeigehabt, wochenlang an den Gesichtern der Stones herumzubasteln."Da lernt man die Typen richtig kennen."

(bis zum 18.April in der Galerie Buch, Alt-Buch 45-51, Di-Fr: 15 - 19 Uhr, Wochenende: 11 -19 Uhr, Eintritt frei) (akri).Foto: Lutz Bertram

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