Kultur : Koalitionsverhandlungen: "Uns passt das nicht"

Rot-Rot in Berlin. Für Unternehmer ein Gr

Gerd von Brandenstein ist Berlin-Chef der Siemens-AG, dem größten privaten Arbeitgeber der Stadt. Er ist auch Präsident der Unternehmerverbände Berlins.

Rot-Rot in Berlin. Für Unternehmer ein Grund zum Fürchten?

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Koalition für Berlin Davon lassen wir uns nicht beeindrucken. Wir werden unser Geschäft so weiter betreiben, wie wir das immer getan haben. Hemmend könnte sich diese neue Konstellation aber auf die Ansiedlung ausländischer Firmen auswirken. Dort hält man wenig davon, wenn hier nach 40 Jahren Mauer die PDS wieder Regierungsmacht übernimmt. Dass da in nächster Zukunft freudig Investitionen zugesagt werden, das glaube ich nicht. Was Berliner gar nicht so registrieren: Der Rest der Republik schüttelt den Kopf, und ein Amerikaner versteht das schon gar nicht. Ich halte Rot-Rot für kein gutes Signal.

Was stört Sie an der PDS, mal abgesehen von ihrer Vergangenheit?

Wenn ich höre, was diese Partei alles nicht machen will, da bekomme ich Kopfschmerzen. Zum Beispiel Infrastruktur. Es ist einfach unmöglich, dass ansiedlungswillige US-Unternehmer jedes Mal über Frankfurt nach Berlin einreisen müssen. Wir brauchen hier einen richtigen Flughafen - und eine richtige Anbindung. Damit ich nicht eineinhalb Stunden brauche bis zum Flieger.

Was muss noch getan werden?

Der Vorschlag, im öffentlichen Sektor zwei Milliarden Mark einzusparen: Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ob die PDS da mitmachen wird? Weiterhin brauchen wir Investitionen im Bildungssektor. Wir haben hier viele Universitäten und Institute, von denen wir profitieren könnten. Steuererhöhungen hingegen wären eine Katastrophe. Die wären so kontraproduktiv wie irgendwas, und sei es bei Schnaps.

Wie würden Sie gleichzeitig den Haushalt konsolidieren, viel Geld für Forschung ausgeben und bloß nicht die Einnahmen erhöhen?

Wirtschaft hat etwas mit Psychologie zu tun. Wenn die Politik der Wirtschaft was Positives sagen könnte, dass es einen Aufschwung gibt, dass sie Unterstützung bekommt, dann kann das funktionieren. Wenn sie aber nur miesepetrig und wirtschaftsfeindlich redet, dann werden die Leute ihren nächsten Autokauf um ein Jahr verschieben und ihren nächsten Kühlschrank auch und so weiter. Die PDS muss aufpassen, dass sie mit ihrer immer noch gespenstischen Wirkung auf viele Leute nicht einiges zum Stoppen bringt.

Können Sie drei Ihrer Ansicht nach vernünftige PDS-Politiker nennen?

Das würde ich ungern. Die, die sich gut darstellen, müssen ja in Wirklichkeit nicht immer gute Politiker sein. Wir haben in Berlin in dem Sinne bisher keine Erfahrung mit dieser Partei. Uns passt diese Konstellation nicht. Was wir nicht wollen, im Gegensatz zu vielen anderen: Die mal aus Daffke ranlassen. Weil wir das irgendwie lustig finden.

Wie groß ist ihr Vertrauen in Gregor Gysi?

Ich glaube trotz allem nicht, dass er auf Unternehmer sehr anziehend wirkt. Wir sind viel zu realistisch, als dass wir uns von gekonnten Pointen und Talkmastergehabe beeindrucken lassen. Wir denken langfristig, kratzen den Glitzer ab und gucken, was dahinter ist. Aber vielleicht wird sich ja zeigen, dass es beim Verhältnis von Gregor Gysi und der PDS Parallelen zu Herrn Fischer und seiner Partei gibt.

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