Kölner Opernhaus : Brandauer inszeniert "Lohengrin"

Mit seiner Berliner Inszenierung von Brechts "Dreigroschenoper" hat Klaus Maria Brandauer unlängst für ein eher kritisches Medienecho gesorgt. Das hindert ihn aber nicht darin, sich nun gar als Regisseur an eine klassische Oper heranzuwagen.

Köln - Am kommenden Samstag ist es soweit, dann geht in Köln unter der Regie von Brandauer die Premiere von Richard Wagners "Lohengrin" über die Bühne - eines der bekanntesten Ideendramen der Operngeschichte, in dem sich Märchenhaftes mit Historischem, private Sehnsüchte mit politischen Utopien verbinden.

Ganz unbekannt ist dem Musikpublikum in Nordrhein-Westfalen und speziell in Köln der musikbegeisterte Brandauer (62) nicht. Im Mozart-Jahr 2006 liest Brandauer mit seiner warm timbrierten Stimme allmorgendlich im Radio Ausschnitte aus der Mozart-Korrespondenz. Und in der Kölner Philharmonie gastierte er in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock und gestaltete erfolgreich musik-literarische Abende.

"Ich hab's mir einfach zugetraut"

Gleich eine ganze Wagner-Oper in Szene zu setzen, erfordert nach Meinung von Beobachtern Mut zum Risiko. Brandauer gestand unlängst, dass er bislang zu Wagner nicht so ein inniges Verhältnis wie zu Mozart beispielsweise gehabt habe. "Aber ich hab's mir einfach zugetraut", gab Brandauer zu Protokoll. "Es gibt viele Menschen, die mir helfen werden, und ich habe mit Markus Stenz einen fabelhaften Dirigenten."

Dass Brandauer aber überhaupt die Gelegenheit bekam, sich mit Wagners 1850 in Weimar uraufgeführter, romantischer Oper zu beschäftigen, verdankt er Kölns Opern-Intendant Christoph Dammann. Nachdem er Brandauers Wiener "Hamlet"-Inszenierung gesehen hatte, kam sofort die Anfrage, ob er nicht Lust hätte, den "Lohengrin" zu machen.

Beispiellose Karriere

Eine der Herausforderungen, die Brandauer offenbar reizen. Auch wenn das Resultat manchmal danach nicht so aufgenommen wird wie erhofft - so etwa die Inszenierung der Berliner "Dreigroschenoper" mit unter anderem dem Punk-Sänger Campino. Doch Brandauer hat genügend Selbstbewusstsein, um auch solche Reaktionen wegzustecken. Immerhin kann er auf eine beispiellose Karriere zurückblicken. Am 22. Juni 1944 als Klaus Maria Steng in Bad Aussee geboren, gilt der Österreicher seit seinem ersten Hauptrollendebüt am Landestheater Tübingen 1963 als eine Schauspiel-Institution. Allein als festes Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters hat er dort seit 1972 über hundert Mal den "Hamlet" gespielt, war er von 1983 bis 1989 als "Jedermann" im gleichnamigen Stück von Hugo von Hofmannsthal bei den Salzburger Festspielen zu sehen.

Nebenbei sorgte Brandauer dann immer wieder auch als Kinoheld für Aufsehen. Mal an der Seite von Sean Connery in "James Bond 007 - Sag niemals nie", mal in der Rolle als "Baron Blixen" in "Jenseits von Afrika", die ihm 1986 eine Oscar-Nominierung einbrachte.

Von solchen irdischen Film-Stoffen geht es nun aber mitten hinein in die mittelalterliche Märchenwelt Wagners. In den Kampf zwischen zwei Glaubenssystemen, aus dem sich die Liebesgeschichte zwischen Elsa von Brabant und dem Schwanenritter Lohengrin entwickelt. Diese Sagengeschichte will Brandauer jedoch nicht durch eine rein politische Brille sehen und dabei auf mögliche nationalistische Tendenzen hinweisen. Es seien gerade die privaten Befindlichkeiten und Konflikte, die ihn interessierten, wie er unlängst in einem Interview verriet. Die konventionellen Blickweisen auf "Lohengrin" überlasse er lieber anderen, er suche vielmehr nach neuen Lösungsmöglichkeiten. Ansonsten, sagt Brandauer, brauche er niemanden vier Stunden ins Theater zu schicken. (Von Guido Fischer, ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben