Kultur : "Königliche Hoheit": Thomas Manns Roman könnte eine Illustrierten-Romanze sein

Ein "Lustspiel in Romanform" hat Thomas Mann seinen Roman "Königliche Hoheit" (1909) genannt, und er wurde ein Leben lang nicht müde, das Werk, das viele als zu leicht befanden, zu verteidigen. In der Tat: Die Geschichte, stark autobiografisch geprägt, wie es, nota bene, die acht Jahre zuvor erschienenen "Buddenbrooks" sind, diese Geschichte könnte eine Illustrierten-Romanze sein: Die reiche Tochter eines überseeischen Nabobs und Geldmagnaten verliebt sich in den Erbprinzen eines hochverschuldeten deutschen Duodez-Fürstentums; sie schenkt ihm Glück und rettet sein Ländchen vor dem Ruin, ein Happy-End, das zu privatem und allgemeinem Wohl führt und in eine von den Untertanen stürmisch gefeierte Hochzeit mündet. Solche Geschichten geschehen in der Wirklichkeit, und nachträglich scheint es, als habe Thomas Mann nicht nur seine Hochzeit mit der reichen Pringsheim-Tochter in diesem Roman ironisch zelebriert, sondern auch Grace Kellys Hochzeit (auch sie war eine reiche Erbin, die das verschuldete Monaco sanierte) vorweggenommen. Natürlich ist "Königliche Hoheit", neben dem "Felix Krull" der süffigste aller Thomas-Mann-Romane, aber auch eine Geschichte von der Einsamkeit und Verantwortlichkeit des Künstlers, den er hier in einem einsam disziplinierten Prinzen spiegelt. Der hat übrigens eine verkümmerte Hand: Anspielung auf Kaiser Wilhelm II. und Symbol für Manns sexuelle Bekümmerungen in einem.

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