Kultur : Königswonnen

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FERNSEHZIMMER

Kurt Scheel differenziert seine Ansicht übers Seriengucken

Vor einem halben Jahr habe ich anlässlich der ersten Staffel von „24“ mit guten, sehr guten Argumenten nachgewiesen, dass diese sog. Echtzeit-Serie nicht funktionieren kann. Und hat es genützt? Jetzt läuft die zweite Staffel, und alle Welt ist wieder dabei. Bittrer noch stößt mir auf, dass ich damals auch bewiesen habe, warum – mit Ausnahme der „Sopranos“ – jegliches Seriengucken für einen Menschen von Format und Geschmack unzulässig ist. Aber bevor „Bild“ die Bombe platzen lässt, bekenne ich: Ja, ich gucke Serie, und das ist gut so!

Zu meiner Rechtfertigung möchte ich anführen, dass „King of Queens“ so witzig und bei meinen schwerintellektuellen Freunden so unbekannt ist, dass es schon aus diesem Grunde nahe liegt, die Schweigespirale zu durchbrechen. Bei unseren Helden – zum Niederknien gut: Kevin James und Leah Remini – handelt es sich um ein kleinbürgerliches Ehepaar, das im New Yorker Bezirk Queens in einem putzigen Reihenhaus lebt. Doug ist Fahrer bei einem Paketdienst, Carrie Sekretärin in einer Anwaltskanzlei. Er ist sehr dick, aber von einer Dickheit, die nicht eklig ist, sondern gemütlich, bärenhaft. Sie ist so eine Kleene, Freche – beide ansehnlich, ohne hübsch zu sein. Bei ihnen wohnt Carries Vater Arthur, ein Grantler vom Typus Walter Matthaus, gespielt von dem großen Komödianten Jerry Stiller (Ben Stillers Vater), dessen Intrigen oft die Scherz- und Schmerzgrenze überstiegen, wenn sie nicht von seiner Wehleidigkeit und seinem infantilen Größenwahn konterkariert würden.

„King of Queens“ ist zum Lachen, aber nicht lächerlich. Denn auch unser Pärchen ist nicht ohne – eine ganz normale Ehe mit ihren Gemeinheiten und Nettigkeiten, wo der eine versucht, dem anderen so nebenbei einen Pferdekuss oder eine Kopfnuss zu verpassen im täglichen Ehescharmützel. Das klingt jetzt alles viel zu ernsthaft. In Wirklichkeit ist es eine Sitcom, sogar, oh Graus, mit eingeblendetem Gelächter. Aber die Dialoge sind geistreich und schnell wie die großer Screwballfilme, und so erhebt sich die Komik schwerelos in ihre lichten Höhen vor dem Hintergrund einer latenten Verzweiflung, wie sie das wirkliche Leben grundiert.

Es ist keine Vulgärcomedy wie „Eine schrecklich nette Familie“, hier sind Menschen, man könnte mal ein Bier mit ihnen trinken, für eine Bekanntschaft würde es jedoch nicht reichen: zu viel Junkfood-Gefresse, zuviel Football-Gegucke. Aber es sind keine Spießer, sondern kleine Leute, die sich über Angeber und Großlateiner lustig machen. Wohlgefällig ruht das Auge der Kamera auf ihnen, hoffentlich bald auch das Ihre.

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