Kultur : Körper als Landschaft

ELFI KREIS

Noch vor zwei Jahren war Josef Breitenbach in Deutschland nahezu vergessen.Obwohl Fotos des gebürtigen Münchners in seiner Wahlheimat Amerika etwa im Metropolitan Museum und im Museum of Modern Art in New York zu sehen waren.Erst 1996/97 leitete die Retrospektive zum 100.Geburtstag des 1984 in New York verstorbenen Fotografen in der Staatlichen Galerie Moritzburg in Halle und dem Stadtmuseum München seine Wiederentdeckung ein.

Breitenbach wechselte erst spät, im Alter von 35 Jahren, vom Fotoamateur ins Profilager.Er war Buchhalter, arbeitete in einer Papiergroßhandlung und als Kurierfahrer des bayrischen Außenministeriums.1932 eröffnete er ein eigenes Fotostudio.Bereits im Herbst 1933 gelingt Breitenbach, der sich in der Münchner Räterepublik an den Arbeiteraufständen beteiligte und aus jüdischer Familie stammt, die Flucht nach Paris.

In Stil wie Sujet läßt sich Breitenbach nicht festlegen.Seine Aufnahmen tendieren zuweilen zur Neuen Sachlichkeit.Dann aber finden sich auch surreale Elemente wie in seiner grandiosen Aktserie "Dr.Riegler und J.Grano".Spielerisch inszeniert er noch im München die mit erotischer Spannung aufgeladene Begegnung einer nackten Frau mit einem korrekt gekleideten Herrn im schwarzen Anzug.Was Breitenbach vor allem auszeichnet, ist seine Experimentierlust.Im Pariser Exil porträtiert er Aristide Maillol, Max Ernst, und es entsteht die bei Niemann gezeigte Aufnahme Bertolt Brechts (15 000 DM).Breitenbach nutzt Montage, Solarisation, Warmtonung, versucht sich sogar an "Duftfotos".Als besondere Dunkelkammertechnik erprobt er die Mehrfach-Farbtonung, Farbverfremdung und Kolorierung seiner Schwarzweißbilder.Wie Rötelzeichnungen oder Sepiatuschen wirken die orangerötlichen Aufnahmen "Anwältin" oder sein "Akt (A.G)".

Nach mehrfacher Internierung in französischen Arbeitslagern gelangte der Fotograf nach New York.Josef Albers berief ihn als Lehrer ans Black Mountain College in North Carolina.Niemann rückt vor allem die Serien "This beautiful landscape" und die in einem Nudistencamp entstandenen Aufnahmen aus den 50er Jahren in den Mittelpunkt.Breitenbach zeigt aber auch Fragmente des weiblichen Körpers als hocherotische Körperlandschaften.Sie sind in ihrer Freizügigkeit und durch die spürbare intime Nähe zu den eng vertrauten Modellen ein Fest der weiblichen Schönheit.

Galerie Bodo Niemann, Rosenthaler Straße 40/41, Hackesche Höfe, Hof VI, bis 28.November; Dienstag bis Freitag 13-19 Uhr, Sonnabend 12-18 Uhr.

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