Kultur : Körperstudien

Von wegen Zufall: Die Galerie Kunstagenten versammelt Traumfrauen

Claudia WahjudiD

Freundlich sieht sie nicht aus. Prall wie Ballons sind ihre Brüste, fleischig ihre Hüften, die rechte Hand zeigt den Stinkefinger. Hamra Abbas hat dieses Weib aus schwarzem Fiberglas geschaffen, übermannsgroß, teils Fantasywesen, teils Steinzeitvenus. Wie ein Pedell wacht „Woman in Black“ (22 000 €, Edition 1/3) über die Ausstellung „Recently Seen and Admired“, mit der sich die Galerie Kunstagenten eine Kunstvereinsschau leistet: Vier Künstlerinnen thematisieren den weiblichen Körper. „Zufall. Es ist mir gar nicht aufgefallen, dass nur Frauen dabei sind“, sagt Kuratorin Barbara J. Scheuermann. Und lacht, weil sie mit diesem Satz eine beliebte Ausrede männlicher Kuratoren persifliert, auf deren Künstlerlisten keine Frauen stehen.

Scheuermann ist frisch nach Berlin gezogen. Zuvor hat sie an Museen in London und Düsseldorf gearbeitet und Texte zu den Themen Video, Narration und Theatralität in der Kunst veröffentlicht. Das alles spiegelt sich in der Ausstellung: Sie zeigt Videobeiträge von zwei Künstlerinnen aus dem Rheinland, Eli Cortiñas Hidalgo und Freya Hattenberger, und erzählerische Rollenspiele wie die Selbstinszenierungen von K8 Hardy aus New York. Die Schau bringt die Gender Studies so lässig ins Spiel, als hätte feministische Kunst nicht gerade erst als Fall für museale Rückschauen gegolten. Und das, obwohl sich die meisten Arbeiten einer bewährten Methode bedienen: Die Künstlerinnen adaptieren konventionelle Frauenrollen, übertreiben und verfremden sie. Hidalgo verwendet für ihre Videoinstallation „No Place like Home“ die Schlussszene aus Victor Flemings Musical-Film „The Wizard of Oz“ mit Judy Garland als Dorothy. Sie zeigt, dass sich in Dorothys Figur peinlich viel Projektionsfläche für sexuelle Fantasien finden lässt (4000 €/Ed. 3). K8 Hardy hat sich in den narzisstischen Modelposen fotografiert, trägt jedoch Putzkittel, Kinderstrumpfhosen oder eine blutverschmierte Unterhose. Ihre Aufnahmen zählen zu den stärksten Arbeiten: Sie leben von Hardys Präsenz und Selbstironie, egal, ob die Künstlerin das Aschenputtel oder die toughe Westküsten-Lesbe gibt (6000 €/Ed. 5). Wie bei Hamra Abbas’ Weibsskulptur führt die Überspitzung die Klischees ad absurdum, lässt jedoch mit ihrem lakonischen Charme die Kritik an den Rollenzuweisungen wie coole Nebenbemerkungen wirken.

Beides macht Spaß – und die Schau zur Ergänzung zweier weiterer Ausstellungen zum Thema: „re.act.feminism“ in der Akademie der Künste und „Anetta Mona Chisa/Lucia Tkácová“ im Neuen Berliner Kunstverein. Claudia Wahjudi

Galerie Kunstagenten, Linienstraße 155; bis 31. 1., Di-Sa von 14-19 Uhr.

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