Kofelgschroa live in Berlin : Heimweh beim Zähneputzen

Bayerischer Blasmusikpop: Kofelgschroa bringen bei ihrem Konzert in Berlin den Privatclub zum Schunkeln und Jauchzen.

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Die Band Kofelgschroa aus Oberammergau.
Die Band Kofelgschroa aus Oberammergau.Foto: Hans Lauer

„Wow, ist das cool!“ Die Reihennachbarin im Berliner Privatclub kann es nicht fassen. Ständig stößt sie ihre Juchzer aus. Knappe zwei Stunden lang. Dabei sind Kofelgschroa genau das nicht: cool. Sicher, die pointenlos versickernden Lakoniker- Moderationen sprechen genau wie die amodische Musik von der Tiefenentspanntheit der vier Burschen aus Oberammergau.

Aber ihre rollenden Siebenachtel- und walzenden Wechseltakte, die warmen Hornklänge und mehrstimmigen Gesänge stehen fest auf dem Mutterboden traditioneller bayerischer Volksmusik. Auch wenn Kofelgschroa, die seit 2012 mit zwei urigen Alben und der Musikdoku „Kofelgschroa – Frei. Sein. Wollen“ bekannt geworden sind, ihr ganz eigenes Blasmusikpopding draus machen.

Von Konzertbeginn an wiegen sich im Privatclub die Hüften und schunkeln die Schultern. Die Einstiegsnummer „Dog“ gibt die Richtung vor: Martin von Mücke, die Bass gewordene Helikontuba, bereitet ein breites rhythmisches Bett. Maximilian Pongratz und Matthias Meichelböck legen Akkordeon- und Tenorhorn-Girlanden darüber, und Gitarrist Michael von Mücke akzentuiert mit Maultrommel und Flügelhorn. Dass die Bayern ihre Texte in Mundart singen, ist klar. Und immer wieder werden wie beim „Zahnputz Walzer“ aus der komplexen Lyrik gesungene Endlosschleifen draus: „Wenn’s Zähnputzn ned so anstrengend / war i scho lang im Bett“. In diesen Liedern wohnen Übermut und valentinesker Witz – und in den elegisch ausufernden Instrumentals die Melancholie, der Heimwehklang.

Wenn der Hans die Liesl besucht

Das beste Stück des Abends ist ein Klassiker: das Volkslied „Oberammergau“. Der Gaga-Song erzählt davon, dass der Hans die Liesl besuchen will und mündet in den Refrain „Ob er aber über Oberammergau oder aber über Unterammergau oder aber überhaupt net geht, steht noch net fest.“ Kofelgschroa machen daraus eine furios startende und sich dann ungemein lässig in Soli vertrödelnde Lounge-Version. „So cool“, quietscht es schon wieder von nebenan. Und diesmal hat Frau Nachbarin recht.


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