Kultur : Koketter Krach

SUSANNE MESSMER

Sie stehen auf der Bühne, als seien sie gerade von zu Hause aus mal kurz reingeschneit.Gleich, nachdem sie mit den Mathehausaufgaben fertig waren - als ob sie den anwesenden Freunden, Lehrern und Verwandten zeigen wollten, welche neuen Griffe sie letzte Woche im Proberaum gelernt haben.Ash sind eine vollkommen durchschnittliche Band aus Irland, sie haben das Charisma von pickeligen Abiturienten und unterscheiden sich nicht von ihrem Publikum.Gerade mal Anfang Zwanzig, haben sie vor zwei Monaten schon ihr zweites Album geliefert, "Nu-Clear Sound", das sich wahrscheinlich ebenso rasant verkaufen wird wie sein Vorgänger.Der Sänger und Gitarrist Tim Wheeler trägt ein total unhippes Muskelshirt mit Totenkopf.Sein Gesang und seine Bewegungen sind nicht sonderlich souverän.Den Ton hält er selten.Erst auf den zweiten Blick erkennt man, daß Ash jetzt keine reine Jungsband mehr ist.Charlotte Hatherley, die vor kurzem als zweite Gitarristin angeheuert wurde, fügt sich fehlerlos ins charmante Ton in Ton der Band.Ab und zu singt sie den Refrain mit und konzentriert sich ansonsten genauso unfotogen auf ihr Instrument wie ihre Kollegen.

Ash spielen ihre Songs ungeduldig, ruppig und einen Tick schneller als auf den Alben, eben wie eine Schülerband.Ab und zu, wenn es gut in den Song paßt, hacken sie ganz doll drauf los und es entsteht ein hübscher, koketter Krach.Und gerade das ist es, was diese Band so sympathisch und sogar so erfolgreich macht.Als ihr schönster, sonnigster und liebster Hit von vor drei Jahren, "Girl From Mars", dran ist, wird die Stimmung sogar richtig nett und gemütlich.Viele kaspern und schwitzen sich wie vorsätzlich einen ab - als Ersatz für den heute verpaßten Sport.Ein paar Teenager lassen sich sachte von der Bühne ins Publikum gleiten und werden höflich einmal quer durch die Halle gereicht.Die Band kommentiert das mit freundlichem Lächeln.Beim nächsten Konzertbesuch ihrerseits werden sie sicher dasselbe tun.

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