Kultur : Kombi-Tanz

SANDRA LUZINA

Hoffnungsträger auf Stippvisite in Berlin.Als "Männer mit Zukunft" stellte der Ballettbeauftragte Gerhard Brunner die künftigen Chefchoreographen des Berlin-Balletts, Richard Wherlock und Angelin Preljocaj, am Mittwoch vor.Der Brite und der Franzose sollen eine neue Ballett-Ära in Berlin einläuten.Wherlock, der bereits seinen Fünf-Jahres-Vertrag in der Tasche hat, wird in der nächsten Spielzeit als Chefchoreograph an die Komische Oper wechseln.Preljocaj soll - so der Wunsch Brunners - 2001 das Ballett der Deutschen Oper leiten.Verhandelt wird derzeit aber nur über einen Vertrag als künstlerischer Berater für die nächsten zwei Jahre.Fest steht aber, daß Preljocaj im nächsten Jahr eine große Produktion herausbringen wird.Seine Compagnie in Aix en Provence will er aber auf jeden Fall behalten.Nach 13 Monaten Planung war Brunner bemüht, Resultate vorzuweisen.Deutlich wurde allerdings, daß nach der Kandidatenkür noch viele ungelöste Probleme auf den "Konsulenten" warten.Brunners Favoriten mochten ihre Pläne noch nicht konkretisieren.Und der Ballett-Beauftragte sprach von Bausteinen, aus denen sich das "Berlin-Ballett" zusammensetzen soll.Brunner muß nun doch eine langsamere Gangart einschlagen.Spätestens im Jahr 2002 soll das Berlin-Ballett aus der Taufe gehoben werden.

"Die blutige Phase liegt hinter uns", rekapitulierte Brunner den derzeitigen Entwicklungsstand.An der Deutschen Oper und der Komischen Oper wurden die Nichtverlängerungen von Verträgen bereits ausgesprochen.Die beiden Ensembles werden künftig nur noch eine Stärke von 30 Tänzern aufweisen, für die Staatsoper ist eine 60-köpfige Compagnie vorgesehen.Die Rechtsform des Berlin-Balletts steht noch nicht fest, in einer Vorstufe soll es zunächst als öffentlich-rechtliche Institution gegründet werden.Derzeit werden die einzelnen Budgets der Ballettensembles ausgerechnet, um sie in einen gemeinsamen Etat zu überführen.Durch die Reduktion der Tänzerpositionen von 180 auf 120 verringern sich die Zuwendungen von derzeit 27 Millionen Mark auf geschätzte 19-20 Millionen, die als Gesamtsumme in das Berlin-Ballett fließen sollen.

An der Staatsoper war das Liebeswerben Brunners noch nicht von Erfolg gekrönt.Hier sträubt man sich auch gegen den Versuch, den Etat anzutasten.Noch steht die Idee eines Berlin-Balletts auf wackeligen Füßen.Nicht nur das Profil der drei Ensembles ist noch nebulös, auch Fragen des Repertoires sind noch ungeklärt.Wherlock hat bereits klargestellt, daß er von seinen Vorgängern keine Produktion übernehmen wird.Das "Dornröschen", das derzeit geprobt wird, wird also nach wenigen Vorstellungen wieder vom Spielplan verschwinden.Der ursprüngliche Impuls zur Umstrukturierung der Berliner Ballettszene resultierte aus den Sparzwängen.Auf dem Weg zu einem künftigen Berlin-Ballett wird die Verschwendung von Steuergeldern aber offenbar in Kauf genommen.

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