Kultur : Komiker der Neuen Welle Zum Tod des Regisseurs Philippe de Broca

Peter W. Jansen

Er war der Spaßmacher des neuen französischen Kinos der Sechziger- und Siebzigerjahre. Er machte aus der Nouvelle Vague die Nouvelle Blague, aus der Neuen Welle den Neuen Jokus. Denn Philippe de Broca war nicht nur bei Chabrol und Truffaut als Regieassistent zur Schule gegangen. Er hatte vorher schon die Schulbank bei den Publikumslieblingen Georges Lacombe und Henri Decoin gedrückt, bei Filmregisseuren, die sich der Verachtung der neuen Wilden von den Cahiers du Cinéma so gewiss sein konnten, dass sie heute kaum jemand kennt.

In Chabrols Erstling „Le beau Serge“ (Die Enttäuschten, 1958) spielte de Broca eine winzige Rolle mit (später sehr) großem Namen: Jacques Rivette de la Chassoule. Dann sprang er auf den Zug auf, der schon unter Volldampf stand, und brauste mit seinem vierten eigenen Film „Cartouche“ (1961) durch die Kinosäle. Schelmenstücke, Abenteuergeschichten, Kostümfilme, Mantel-und-Degen und was immer die Lust an der Komödie hergeben mochte: Das war seine Welt. Und de Broca hatte für sein „cinéma bien fait“ Protagonisten, die wie er Spaß an der Freude hatten und nach der Gelegenheit lechzten, ihrem Affen Zucker zu geben: Jean-Paul Belmondo war das vor allem, der sechs Mal bei de Broca vor der Kamera stand, ach was: herumtobte, seine vitale Körperlichkeit hemmungslos präsentierte. Yves Montand gehörte ebenso dazu wie Philippe Noiret, Catherine Deneuve und Jeanne Moreau. Seinen letzten Film, im Oktober gestartet und bis heute von einer Million Franzosen gesehen, „Vipère au poing“ (Viper in der Faust), konnte der Krebskranke schon nicht mehr im Kino sehen.

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