Kultur : Komische Oper: Albert allein zuhaus - Spielzeit 2000/2001 präsentiert

F. H.

Das hat es garantiert noch nie gegeben: Bei der Jahrespressekonferenz der Komischen Oper glänzt die gesamte künstlerische Leitung durch Abwesenheit. Nachdem im vergangenen Jahr schnell klar wurde, warum Chefregisseur Harry Kupfer nicht an der Spielplan-Präsentation teilnahm (weil sein Abgang 2002 und sein Nachfolger, Andreas Homoki, bekannt gegeben wurden), beteuerte Intendant Albert Kost gestern angesichts des leeren Podiums, es bestehe kein Grund zur Aufregung. Verantwortlich für das Haus sei der Intendant: "Und ich bin ja da." Kein freiwilliges Wort über seinen Krach mit Musikchef Yakov Kreizberg, der Berlin vorzeitig verlassen wird, Ausweichendes auf Nachfragen zum Ballettdirektor Richard Wherlock, der ein halbes Jahr nach Amtsantritt bereits um Vertragsverkürzung bat und ab Herbst 2001 nach Basel will. Statt dessen viele Worte darüber, dass die Politik immer nur auf die Einnahmenseite schaue - weshalb die Komische Oper gezwungen sei, das zu spielen, was die Leute sehen wollen. Zum Beispiel den "Nussknacker" oder Mussorgskis "Boris Godunow", szenisch betreut von Uwe Eric Laufenberg.

Wie sich das Verhältnis Yakov Kreizbergs zum Haus im Opernalltag niederschlägt, zeigt sich daran, dass der Musikchef die "Boris"-Premiere nicht dirigiert. Er überlässt sie Alexander Anissimov und übernimmt erst später. Abgesagt hat Kreizberg auch sein "Elektra"-Dirigat. Dabei war die Oper auf seinen Wunsch in den Spielplan aufgenommen worden. Obwohl man noch keinen Ersatz gefunden hat, hält Kost an dem Werk fest. Es inszeniert Harry Kupfer. Und auch noch eine dritte Kupfer-Inszenierung wird aufgeboten, Aribert Reimanns neue Oper "Bernarda Albas Haus" als Koproduktion mit München. Statt Kreizberg steht Friedemann Layer am Pult. Gespannt sein darf man auf den "Freischütz" von Christof Nel, der jüngst mit einer fulminanten "Walküre" in Stuttgart und einer ebensolchen "Salome" in Frankfurt von sich reden machte, und auf den "Rigoletto" von Martin Schüler, dessen Arbeiten am Cottbuser Staatstheater viele Fans fanden. Richard Wherlock choreografiert "Der Widerspenstigen Zähmung" (Musik: Nino Rota) und einen russisch-französischen Abend.

0 Kommentare

Neuester Kommentar