• Komische Oper Berlin: Früherer Generalmusikdirektor gibt Kontakte zu Rechtsextremisten zu

Komische Oper Berlin : Früherer Generalmusikdirektor gibt Kontakte zu Rechtsextremisten zu

Rolf Reuter, Ehrenmitglied der Komischen Oper Berlin und Träger des Bundesverdienstkreuzes, hatte Kontakte zu rechtsextremen Gruppen. Er habe über das "Vehikel Musik" für Humanismus und Christentum werben wollen, erklärte Reuter.

BerlinVier Tage nach seiner ersten Stellungnahme hat der frühere Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin Kontakte zu rechtsextremen Gruppierungen zugegeben. In einer "ergänzenden Erklärung" distanzierte sich Rolf Reuter zugleich ausdrücklich von den politischen Ansichten, die der "Freundeskreis Ulrich Hutten e.V." und dessen Publikationsorgan "Huttenbriefe" vertreten. Tom Schreiber (SPD), Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, hatte Reuter kürzlich vorgeworfen, sich seit Mitte der 90er Jahre in rechtsextremistischen Kreisen zu bewegen. Nach Ansicht der SPD sollten Reuter das Bundesverdienstkreuz sowie die Ehrenmitgliedschaft der Komischen Oper aberkannt werden. Das Bundespräsidialamt prüft derzeit die Vorwürfe.

Die Chefin der Berliner Senatskanzlei, Barbara Kisseler, wollte Reuters neue Erklärung nicht bewerten. "Ich nehme die Erklärung zur Kenntnis, wir werden uns mit dem Bundespräsidialamt über das weitere Verfahren abstimmen."

"Gesellschaftliches Kontaktverbot" war Reuter suspekt

Reuter erklärte, mehrfach Vorträge beim "Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. zu musikalischen Themen gehalten" zu haben. Er habe gehofft, mit seinen Vorträgen gerade bei diesen Gruppen über das "Vehikel der Musik kleinste Samenkörner eines Verständnisses von Humanismus und Christentum säen zu können", betonte der 81-Jährige. "Gesellschaftliches Kontaktverbot" zu Gruppen gleich welcher politischen Couleur sei ihm "schon zu Zeiten der DDR immer sehr suspekt" gewesen.

In seiner ersten Erklärung vom Montag war Reuter auf die Vorwürfe wegen seiner Kontakte zu Rechtsextremisten mit keinem Wort eingegangen. Stattdessen hatte der gebürtige Leipziger betont, er fühle sich verleumdet. Der 81-Jährige warf Berliner Medien eine Diffamierungskampagne vor, "die meine Menschenwürde als Christ, Humanist und Demokrat zutiefst verletzt sowie meine Lebensleistung und meine Familie diskreditiert".

Reuter fühlt sich schikaniert

Auch in der zweiten Erklärung warf Reuter der Presse "unfaire und schikanierende Angriffe auf meine Person" vor. Dem SPD-Abgeordneten Schreiber unterstellte der Dirigent, "ein Sommerlochthema" gesucht zu haben, "das ihm auf dem Rücken meiner Familie zur Eigenprofilierung dienen soll".

Durch die "einseitige Berichterstattung" in den Medien befürchte er, dass sein "Wirken beim "Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V." nicht im obigen Sinne als aktiv-öffnend und den Dialog treibend, sondern rückwirkend betrachtet als Unterstützung auch der Ziele und Anliegen des Vereins gewertet wird. Diese einseitige Bewertung ist nicht richtig", schrieb Reuter. Er distanziere sich ausdrücklich davon. Die Beiträge der dortigen Autoren seien "inhaltlich absolut inakzeptabel. Jede Form von rechtsextremer, aber auch linksextremer oder sonstiger extremer Gesinnung liegt mir fern".

Einwände bei Urteilen gegen rechtsextremistische Verleger

Bei seinem Schreiben an die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte habe es sich nicht "um eine Solidaritätsadresse" gehandelt. Auch das publizistische Wirken und die Positionen der beiden Verleger lehne er ab. "Trotzdem habe ich mir die Freiheit genommen, in einem Schreiben ganz explizit ausschließlich auf zwei formale Details hinzuweisen, die nicht meinem Verständnis von Demokratie entsprechen."

Schreiber hatte kritisiert, dass Reuter bei Veranstaltungen der "Deutschen Kulturgemeinschaft" und beim "Freundeskreis Ulrich von Hutten" als Referent aufgetreten sei. Beide Organisationen seien eindeutig als rechtsextremistisch eingestuft, würden vom Verfassungsschutz beobachtet und dienten der Vernetzung von Neonazi-Gruppen. Der Berliner SPD-Fraktionssprecher Peter Stadtmüller hatte darauf hingewiesen, dass Walendy ein bekannter Holocaust-Leugner sei. Walendy ist wegen Volksverhetzung mehrfach vorbestraft und war zeitweise der NPD-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen. (mit dpa)

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