Kultur : Komische Oper: Sagen Sie mal "O"

Die Komische Oper möchte Berlins Musiktheater-Ferrari werden: mit einem leuchtend angestrichenen Bühnenturm. Als testarossa, als Rotdach, will man weit über den Boulevard Unter den Linden hinaus strahlen. Nach 21 Jahren unter der Ägide des DDR-Regietheater-Veteranen Harry Kupfer träumt das neue Leitungsteam um Andreas Homoki den Traum vom Kavaliersstart in die Zukunft. Was die Pferdestärken betrifft, kann es das ärmste Opernhaus der Hauptstadt zwar mit der Ausstattung der Nobelkarossen nicht aufnehmen - dafür scharrten alle Beteiligten bei der Jahrespressekonferenz um so ungeduldiger mit den Hufen.

Vergessen die Saison-Präsentationen der letzten Jahre mit ihrem Charme von ZK-Verlautbarungen - ab sofort regiert professionelle Begeisterung. Im straffen Rhythmus des Neuen Berlins treten die Protagonisten ans Pult, um ihre Visionen zu verkünden: Intendant Albert Kost mit dem Bonmot vom "Wechsel als Punktlandung", Chefregisseur Andreas Homoki mit einem Bekenntnis zur Oper auf Deutsch, Casting-Direktor Per Boye Hansen mit dem festen Willen, gegen den allgemeinen Trend des Sänger-Jetsets an der Komischen Oper wieder ein festes Ensemble aufbauen zu wollen. Wem das alles zu tough klang, fast schon unheimlich optimistisch, dem half der junge Mann von der "usus-kommunikation": Der präsentierte das optische Outfit zum künstlerischen turnaround in einem derart grotesken Werbe-Slang, dass alles vorher Gesagte wie Poesie erschien.

Dabei hat die Agentur keine schlechte Arbeit geleistet: Das lebens- und liebeslustige Rot dürfte Berlins Musiktheater gut stehen (falls Kultursenator Flierl kein Veto einlegt, soll sogar die scheußliche Nachkriegsfassade des Hauses erröten). Probleme könnte da eher das Logo aufwerfen, ein elegantes "O" im goldenen Schnitt. Bisher sprach Berlin von Harry Kupfas Komischer Opa. Künftig werden sich die Leute umstellen müssen - auf die kOmische Oper bOlin. Mit feinem, rundlippigem "o". So wie bei "Homoki". Oho.

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