Kultur : Komischer nie

Zum Tod des Schauspielers Heinz-Werner Kraehkamp.

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Auch Schauspielerei kann eine Droge sein. Auch Theater kann süchtig machen. Manchmal wird die seltsame Droge so tief inhaliert, dass man nach Jahrzehnten noch über Gags und Dialoge lacht, sie immer wieder erzählt und sich an ihnen erfreut, bis man im Freundes- und Familienkreis Auftrittsverbot bekommt. Das Theaternummernstück „Hartmann & Braun“ (Comedy gab’s damals noch nicht) war voll von solchen gefährlichen Stoffen: „Der Socken in der Suppe“, „Der indische Hemdentrick“ usw. In Frankfurt/Main von den Schauspielern Michael Altmann und Heinz-Werner Kraehkamp entwickelt und später in Berlin zu Hause, Mitte der Achtziger im Mehringhof, setzte „Hartmann & Braun“ Maßstäbe. Weniger komisch darf eine Show auf keinen Fall sein, und komischer war sowieso lange keine.

Der kleine, dicke, aufgekratzte Kraehkamp, der stoisch-mürrische Altmann, das war ein Paar! Die hätten auf der Titanic noch unter Wasser weitergespielt. Gefunden hatten sie sich in F. K. Waechters wundervollen Dramen „Schule mit Clowns“ und „Kiebich und Dutz“. Mit Sean O’Caseys „Das Ende vom Anfang“ brachten es die Anarchisten in Berlin und anderswo auf irre 500 Aufführungen. Philosoph, Rampensau, Quatschkopf – wer wollte das bei diesen Typen entscheiden!

Kraehkamp gehörte zu der bedrohten Spezies des Theatertiers. Spielen ohne Grenzen, trinken, qualmen, Witze reißen – im Diener in der Grolmannstraße, wo sonst. Er war Mitglied des Heavy-Metal-Kabaretts der „Bastarde“, und er liebte sein Motorrad. Spielte später viel im Fernsehen, meist Polizisten wie in der RTL-Serie „Abschnitt 40“. Man sah ihn im „Tatort“, und immer wieder ging er auf Tournee. Heinz-Werner Kraehkamp hatte etwas, das die wenigsten Schauspieler haben: eine Stuntmanausbildung. Es war dem furchtlosen Cascadeur-Komiker anzumerken. Am Samstag ist er mit 63 Jahren in einem Berliner Hospiz an Lungenkrebs gestorben. Rüdiger Schaper

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