Kultur : Komm, wir spielen Gedankenspiele Fantasievoll: der Berliner „operare“-Wettbewerb

Frederik Hanssen

Der Himmel über Berlin, das weiß die Welt seit Wim Wenders, ist dicht bevölkert. Nicht nur mit Schutzengeln, sondern vor allem auch mit Künstlern, die sich hier, von den sagenhaft niedrigen Mietpreisen abgelockt, ihre Luftschlösser eingerichtet haben. Genau diese kreativen Tagträumer will das Projekt „operare 08“ nun auf die Erde zurückholen. Mit Geld aus dem Netzwerk „Neue Musik“ der Kulturstiftung des Bundes ausgestattet, veranstaltet die Zeitgenössische Oper Berlin zum zweiten Mal einen Ideenwettbewerb: Bis zum 3. März kann sich jeder, den die Kunst umtreibt, bewerben. Eine interdisziplinär besetzte Jury sucht dann 40 Kandidaten aus, die zu einem Workshop eingeladen werden, bei dem sich Gruppen finden und Konzepte entstehen sollen. Die beiden besten Ad-hoc-Arbeitsgemeinschaften erhalten jeweils 20 000 Euro zur Verwirklichung ihrer Gedankenspiele.

„Die Stadt ist voller Leute mit tollen Ideen“, findet Projektmanagerin Susanna Poldauf. „Nur wissen die wenigsten, wie sie ihre Visionen konkret umsetzen können.“ Darum geht es bei den Vorträgen, die den „operare“-Workshop begleiten, auch ganz praxisorientiert ums Kunst- Handwerk: Grünen-Politikerin Alice Ströver erklärt, wie man clevere Förderanträge stellt, ein Bühnentechniker berichtet aus dem Inszenierungsalltag, ein Steuerberater coacht die Teilnehmer in Fragen der finanziellen Projektabwicklung. Gesucht werden nämlich nicht nur Schauspieler, Dichter, Komponisten oder Filmemacher, sondern auch Leute mit Organisationstalent und ausgebildete Kulturmanager. Einzige Voraussetzung für die Projekte ist die Verwendung von zeitgenössischer Musik. Schließlich geht es darum, dem traditionsreichen, tausendmal totgesagten Genre Musiktheater neue Impulse zu geben. Und das innovative Projekt dann von Anfang bis Ende organisatorisch durchzuziehen.

Silke Andrea Schümmer hat den Weg schon fast hinter sich: Am 29. Februar hat ihr „Rapunzelmonolog“ im Kesselhaus der Kulturbrauerei Premiere. Zusammen mit der Komponistin Alexandra Filonenko, der Luftartistin Ellen Urban und der Regisseurin Mascha Pörzgen konnte sie sich beim ersten „operare“- Durchgang im vergangenen Jahr eine Förderprämie sichern.

Der Veranstalter der Ideenbörse selber, die 1997 gegründete Zeitgenössische Oper Berlin, wurde vom Senat in seiner eigenen Kreativität stark ausgebremst. Seit die Kulturverwaltung ihren Zuschuss für die Truppe um Andreas Rocholl radikal eingedampft hat, kann die Zeitgenössische Oper nur noch eine Inszenierung pro Jahr realisieren: Im Rahmen des „Maerzmusik“-Festivals kommt am 15.3. die Performance „Ton“ heraus. „Operare“ ist dagegen noch mindestens für zwei weitere Jahre gesichert: So lange fließen die Gelder der Kulturstiftung des Bundes für diese derzeit wohl innovativste Partnervermittlung im Kulturbereich. Frederik Hanssen

www.operare.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben