Kultur : Kommission zur NS-Raubkunst berufen

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Die zwischen Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden vereinbarte „Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NSverfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz“ hat sich gestern in Berlin konstituiert. Sie soll auf freiwilliger Basis in jenen Fällen beratend tätig werden, in denen Dissens zwischen Anspruchstellern und öffentlichen Museen und Archiven über die Rückgabe von NS-Raubgut besteht. Die Kommission, die die frühere Verfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach zu ihrer Vorsitzenden und den in Paris und Berlin tätigen Kunsthistoriker Thomas Gaehtgens zum Stellvertreter bestimmt hat, kann nur auf Antrag beider Seiten und in solchen Fällen tätig werden, die juristisch abschließend verhandelt worden sind. Davon nahm Frau Limbach allerdings die Einrede der Verjährung aus. „Mit dem Ausschöpfen des Rechts“, so gestern Kulturstaatsministerin Christina Weiss bei der Vorstellung der Kommission, „endet nicht unsere ethisch-moralische Verantwortung.“ Bei der Frage nach der Zahl der zu erwartenden Fälle wollte sich Limbach nicht festlegen, „weil jeder Einzelfall zählt“. Die Kommission müsse sich darüber verständigen, was „verfolgungsbedingt“ im Einzelfall bedeute; ferner soll der Zusammenhang zwischen NS-verfolgungsbedingtem Entzug und der Nazi-Definition der „Entarteten Kunst“ untersucht werden, „ohne allerdings beide Begriffe gleichzustellen“. Die achtköpfige Kommission ist organisatorisch bei der Bund-Länder-Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg angesiedelt. Ihr gehören unter anderem Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung Topographie des Terrors, Reinhard Rürup, an. BS

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