Kommunale Galerien und Projekträume : Hallo, wir sind auch noch da!

Mehr als 200 Künstler beleuchten die Arbeit in kommunalen Galerien, jenseits vom Kunstmarkt in den Berliner Bezirken. Die Aktionswoche findet bewusst parallel zur Art Week statt.

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Auch kommunale Galerien mischen bei der Art Week mit.
Auch kommunale Galerien mischen bei der Art Week mit.Foto: Paul Zinken/dpa

Das „Project Space Festival Exchange“ bringt zehn Berliner Projekträume zusammen, die paarweise Verbindendes und Trennendes des Partners präsentieren. Am Freitag verleiht Kulturstaatssekretär Tim Renner Förderpreise an 14 Projekträume und freie Initiativen. Eine Diskussion am gleichen Abend reflektiert die Entwicklung der freien Initiativen in den letzten Jahren: von der experimentierfreudigen Subkultur zur etablierten Professionalität. Haben sie dadurch ihr Herz verloren? Oder existieren die alten Gesetze von der Abgrenzung zum kommerziellen Establishment noch? In der Szene wird Unbehagen spürbar über zunehmende Kooperationen von Projekträumen mit Galerien und Museen.

Dieses Problem haben kommunale Galerien nicht. Sie agieren jenseits von Kunstmarkt und großen Ausstellungshäusern, sind den Bezirken unterstellt und sollen die Kultur im Stadtteil fördern. Einfacher haben sie es trotzdem nicht. Weil die Bezirke sparen müssen, ist das Budget klein, die Aufmerksamkeit für manche dieser Einrichtungen leider auch. Zum zweiten Mal präsentieren sich deshalb 28 Kommunale Galerien mit einer Aktionswoche parallel zur Art Week. Das Bündnis nennt sich KGB. In einer Veranstaltungsreihe wird die gemeinsame Geschichte beleuchtet, Bustouren führen durch diverse Stadtteile, es gibt Stadtspaziergänge, Vorträge, Konzerte und Begleitprogramme zu den laufenden Ausstellungen. Mehr als 200 Künstler beteiligen sich.

Ein Netzwerk der Vielfalt soll hier präsentiert werden nach dem Prinzip: Geballte Ladung ist gleich geballte Aufmerksamkeit. Es wäre zu wünschen, wenn die Art Week den erhofften Synergie-Effekt beschert. Hier werben Orte für sich, die teilweise seit Jahrzehnten Zugang zur Kunst verschaffen. Ähnlich wie Projekträume geben sie Nachwuchskünstlern eine erste Öffentlichkeit, wirken mit ihren Bildungsprogrammen in den Kiez hinein. Das macht sie unersetzlich für die Kulturarbeit an der Basis, von Spandau über Marzahn bis nach Neukölln.

Project Space Xchange Festival, Eröffnung am Freitag, den 18.9., 15 –21 Uhr; sowie Sa und So, 12 –18 Uhr; Diskussion und Preisverleihung an künstlerische Projekträume und -initiativen durch die Berliner Senatskanzlei am Fr 18.9. ab 17.30 Uhr, Bar Babette, Karl-Marx- Allee 36, www.projektraeume-berlin.net; KGB-Kunstwoche, bis 20.9., weitere Infos: www.kgberlin.net/kgb-kunstwoche-2015

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