Kultur : KONFERENZ ÜBER DIE LIEBE

Schön, wenn bei einer Berlinale-Konferenz plötzlich alle über den Satz „Ich liebe dich nicht mehr“ diskutieren, als hänge von dessen Deutung die Welt ab. Ein Kollege stört sich am vermeintlich harten Filmschluss und will wissen, ob das Paar nicht doch noch eine Weile zusammenbleibt. Einige Jahre, einige Monate? Bis zu diesem Satz sei alles so wunderbar in „Alle Anderen“. Eine Kollegin hält dagegen und erläutert die psychoanalytische Tiefenstruktur der Szene, in der Birgit Minichmayr den Satz zu Lars Eidinger sagt.

Regisseurin Maren Ade sitzt zwischen den Schauspielern und fragt zurück: „Ich liebe dich nicht mehr: Was ist das überhaupt für ein Satz?“ Es gehe nicht um Trennung, sondern um ein Paar in der Krise.Moderator Josef Schnelle gibt zu bedenken, dass auch wenige Monate Zusammensein doch sehr schön sein können. Die wahren Romantiker sind am Ende die Männer. Ein Film, der solche Debatten auslöst, bei einem Vormittags-Meeting erwachsener Menschen, kann nicht schlecht sein.

Vier Mal je eine Woche hat sich die Regisseurin mit den Darstellern vor dem Dreh in Sardinien getroffen, sie haben das Drehbuch gelesen und Filme geguckt: Bergmans Szenen einer Ehe, Antonionis La notte, Godards Verachtung, Warhols Blue Movie. „Man kann sich ihr wunderbar hingeben, man ist nicht bloß Material“, sagt Minichmayr über Ade. Eidinger spielt vor, wie barsch Ade zu Drehbeginn „Jetzt“ rufen kann. „Sie ist nahezu pedantisch, das ist toll, aber nicht ohne.“ Und

Birgit Minichmayr lacht ihr unwiderstehlich ruppiges Lachen dazu. chp

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