Kultur : Konkurrenz belebt das Schicksal

Jörg Königsdorf

Nicht mal zwei Wochen ist es her, dass die Berliner Opernstiftung die Alarmglocken geläutet hat: 2008 wird das Schicksalsjahr für die drei Häuser. Wenn die Auslastung nicht noch einmal kräftig ansteigt, sieht es düster aus. Eine Situation mithin, in der die Opern alles andere eher gebrauchen können als zusätzliche Konkurrenz. Und doch spielen die Philharmoniker und Simon Rattle am Freitag und Sonntag ihre für Salzburg einstudierte Version von Debussys „Pelléas et Mélisande“ in der Philharmonie . Und auch Lothar Zagrosek , der designierte Chefdirigent des Berliner Sinfonie-Orchesters , stellt sich, ebenfalls Freitag und Sonntag, im Konzerthaus mit zwei konzertanten Aufführungen von Mozarts liebenswürdigem Frühwerk „La Finta Giardiniera“ vor. Die Philharmoniker können sich mit Gewohnheitsrecht entschuldigen, und auch Zagroseks Projekt entstand wohl aus einer irgendwann einmal für die Deutsche Oper erwogenen Planung. Aber wäre es nicht eine noble Geste, wenn die Sinfonieorchester der Stadt darauf verzichten würden, es ihren Opernkollegen noch schwerer zu machen? Und wenn es einen wie Rattle unbedingt zur Oper zieht – warum dann nicht gleich in den Orchestergraben eines Berliner Opernhauses? Was den „Pelléas“ angeht, könnte er sogar zwischen zwei Produktionen wählen: Zwischen Ruth Berghaus’ magisch-enigmatischer, wenngleich angejahrter Inszenierung an der Lindenoper und Marco Arturo Marellis eindrucksvoller Bebilderung an der Deutschen Oper.

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