Kultur : Konstruktivismus und Motorsport

MICHAEL NUNGESSER

Rallye nennt der Maler Stefan Hirsig seine neueste Werk-Serie. Der Begriff aus dem Motorsport, der eine Autosternfahrt bezeichnet, leitet sich vom französischen Verb rallier ab: wieder versammeln, zusammenziehen. Obgleich Autos in den Bildern tatsächlich eine Rolle spielen, ist auch der wörtliche Sinn des Mottos präsent. Diese Bilder bringen vieles zusammen, was in der Kunst sonst getrennt ist. Sie vereinen abstrakte und gegenständliche Elemente, dekorative Flächigkeit und beunruhigende Kontraste, Skizzenhaftes und klar Strukturiertes, Technisches und Organisches. Sie sind ein Remix aus dynamischem Konstruktivismus und plakativer Pop art, mit Verwandtschaften zu Design und Architektur.

Der 1966 in Berlin geborene Hirsig, an der Hochschule der Künste unter anderem bei Bernd Koberling ausgebildet, ist kein Newcomer mehr. Er kann auf mehrere Einzelausstellungen in renommierten Galerien, auch im Ausland, zurückblicken. Hirsig arbeitet mit verschiedenen geometrischen Schablonen, die sich vielfach überlagern. So entstehen Bilder von äußerster Dichte: Ihre Bausteine jedoch bleiben stets erkennbar, das Konstruktionsprinzip kann jederzeit nachvollzogen werden.

Gebaute Bilder also, Schnittmustern oder Konstruktionszeichnungen ähnlich, vom Puls der Technik animiert. Nur vereinzelt taucht Dinghaftes auf, etwa eine Autokarosserie in einem der vier hochformatigen Rallye-Gemälde (je 7500 Mark). Doch ist das Gegenständliche immer integriert in ein abstraktes, wie gestanzt wirkendes Raster windschnittiger Formen und Muster, die ein weites Feld an Assoziationen eröffnen. Sowohl die Acrylgemälde auf Leinwand als auch die Tusche- und Buntstiftzeichnungen auf Papier (je 1000 Mark) zeichnen sich durch eher zarte Cremefarben aus, die gedämpft, aber facettenreich das komplexe Spiel der Formen zum Klingen bringen.

Galerie Klosterfelde, Linienstraße. 160, bis 3.7.; Dienstag bis Sonnabend 11 - 18 Uhr.

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