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von Frederik Hanssen

Heute tritt Riccardo Chailly sein Amt als neuer Leipziger Gewandhauskapellmeister an. Da werden in Berlin Erinnerungen wach: Gerade 26 Jahre jung war der italienische Maestro, als er 1982 in die Mauerstadt kam, um das Deutsche SymphonieOrchester zu übernehmen, das damals noch Radio-Symphonie-Orchester hieß. Mit energetischer Musikalität und spannenden Programmen hatte er dann hier so viel Furore gemacht, dass er 1989 nach Amsterdam abgeworben wurde.

Nur zu gut hätte man Riccardo Chailly nach dem Ende seiner Ära beim Concertgebouworkest wieder am Ort seiner frühen Triumphe gebrauchen können: als Chefdirigent an der Deutschen Oper. Während sich die heimischen Konkurrenten des größten hauptstädtischen Musiktheaters allesamt für die Zukunft aufgestellt haben, klafft in Charlottenburg weiterhin das künstlerische Loch, das Christian Thielemann mit seinem Weggang gerissen hat. An der Staatsoper konnte Daniel Barenboim durch so manches Musikmirakel mittlerweile auch die hartnäckigsten Kritiker seines künstlerischen Jetsetlebens zum Schweigen bringen; die Komische Oper kann ihren längst weltweit gefeierten Musikchef Kirill Petrenko immerhin bis Sommer 2007 halten.

Die Musiker des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin untermauern ihr künstlerisches Credo, „Das Wesentliche ist die Musik“, indem sie den Vertrag ihres ebenso still wie ernsthaft arbeitenen Chefs Marek Janowski bis 2011 verlängern; BSO und DSO schließlich wollen der ästhetischen Übermacht von Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern mit deutsche Avantgardespezialisten entgegentreten: Auch wenn es noch nicht offiziell gesagt werden darf, so weiß doch jeder in der Klassikszene, dass Lothar Zagrosek von der Stuttgarter Staatsoper Eliahu Inbal beim Berliner Sinfonie-Orchester beerben soll. Das Deutsche Symphonie-Orchester hat den Chefdirigenten der Hamburgischen Staatsoper, Ingo Metzmacher, zum Nachfolger für Kent Nagano erkoren und damit die Fortsetzung der extravaganten Programmpolitik des Ensembles gesichert.

Und die Deutsche Oper? Ob es um Regisseure, Sänger oder Dirigenten geht, Intendantin Kirsten Harms setzt auf junge Talente – nicht ganz risikolos, schließlich soll sie allabendlich 1800 Plätze füllen. Andererseits schließt diese Taktik auch die Chance des Jahrhundert-Glücksgriffs ein. Als der 32-jährige Lorin Maazel 1962 an der Deutschen Oper mit einem sensationellen „Tristan“ debütierte, bot ihm der damalige Intendant Gustav Rudolf Sellner sofort den Posten des Generalmusikdirektors an. Gleichzeitig wurde Maazel übrigens auch Chef des Berliner Radio-Symphonie-Orchesters – als Vorgänger von Riccardo Chailly.

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