Konzert : Elliptische Bahnen

Die Band Interpol tritt am Samstag in der Columbiahalle auf.

Jörg W,er

Den Unterschied zwischen gutem und schlechtem Stil demonstriert ein Vergleich von Interpol und The Hives (die drei Tage später am selben Ort auftreten): Wo The Hives mit ihrem großmäuligen Krawallschachtelrock auf der Stelle treten, weil den Schweden anscheinend vor lauter Gegrübel über ihr karnevaleskes Bandoutfit und durch die angestrengte Suche nach formaterweiternden HipHop- Produzenten keine anständigen Songs mehr einfallen, entwickeln sich Interpol ebenso unspektakulär wie organisch mit jeder Platte ein Stück weiter.

Dabei bleiben die vier New Yorker auch noch die Cooleren, weil sie sich nicht in alberne Black- and-White-Suits zwängen müssen, um sich modisch von der Jeans und T-Shirts tragenden Durchschnitts-Gitarrenband abzuheben. „Our Love to admire“, das dritte Interpol-Album in fünf Jahren, klingt wie eine Fortsetzung des Vorgängers „Antics“. Die Songs besitzen mit Carlos Denglers erdigem Bass und Samuel Fogarinos archaischem Schlagzeug ein Gravitationszentrum, um dessen pulsierenden Kern Paul Banks’ majestätischer, manchmal an Jim Morrison oder Leonard Cohen erinnernder Bariton und Daniel Kesslers glasklar melodische Gitarrenharmonien in elliptischen Bahnen kreisen. Dabei klingen Stücke wie „The Heinrich Maneuver“, „The Scale“ oder „Pioneer to the Falls“ erhaben und groß, ohne wie bei den stilverwandten Editors ein unangemessenes Pathos zu beschwören. Viele Songs von Interpol haben das Zeug zum Klassiker. Man kann vielleicht nicht so gut mit ihnen herumtoben wie mit den Wegwerf-Hits der Hives. Aber wenn sie einmal Freunde geworden sind, bleiben sie für immer. Jörg Wunder

Columbiahalle, Sa 17.11., 20 Uhr, 30 €

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